Es ist ein beglückendes Gefühl, Freunde zu haben, möglichst viele. Immer wenn ich, manchmal durch den Mund des Bundespräsidenten, von einem Herrscher im Schwarzen Erdteil höre, er sei ein Freund meines Volkes, schlägt mein Herz höher. Noch einer!

Aber Freunde zu haben, bringt auch Kummer. Etwa wenn sich die Freunde untereinander nicht vertragen. Freund Amerika mit Freund Frankreich zum Beispiel. Da kann man nur verzweifelt die Hände ringen. Sagt man aber was, so wird man noch mißverstanden und verliert sie beide, die Freunde.

Oft haben die Freunde andere, eigene Sorgen. Dann können sie sich nicht so recht um die Dinge kümmern, die uns am Herzen liegen. Das ist schade; aber man muß es begreifen. Auch Freunde sind nur Menschen. Man muß mit ihnen viel Geduld haben, auch wenn es schwerfällt.

Was haben wir alles für die Ägypter getan! Wie nah stehen diese Menschen unserem Herzen. Sogar ihre Kunstschätze retten wir vor ihnen. Und wie wurde uns das gedankt, wie schmählich! Mit 21 Salutschüssen haben sie den Zonen-Vogt empfangen. Nichts blieb uns erspart.

Von soviel Verrat umgeben, bleibt nur eines: sich an die wahren Freunde zu halten! Deren Freundschaft soll uns nun um so teurer sein. Mit vollen Händen geben wir jedem, ob er will oder nicht. Noch reiben sich die Marockaner und die Chilenen ungläubig die Augen über diesen unerwarteten Segen. Wo sie doch bisher dafür nur dies getan haben, daß sie Ulbricht mit Gattin nicht in ihrem Staatsbett schlafen ließen.

Nicht wahr: Bei solchen Summen, da kann man schon etwas Freundschaft verlangen. Oder darf es vielleicht etwas mehr sein?