Von Werner Weber

Man liest das Stück Otto F. Walters „Elio oder Eine fröhliche Gesellschaft“, liest – und da ist unter aufsteigenden Erinnerungen aus dem Vorrat der Literatur diese eine besonders stark: „Santa Cruz“ von Max Frisch.

Fast zwanzig Jahre sind es her: 1946 hat das Zürcher Schauspielhaus Max Frischs Romanze aufgeführt. Erinnert man sich der Gleichnisbilder? Dort das Schloß, der sichere Besitz, der Haushalt; dort die Beschränkung unter den Ansprüchen des Alltags, die mehr oder minder deutliche Last der Konventionen; das Sich-Fügen, vielleicht das Sich-Verstellen; oder einfach das Lügen, um den Haushalt nicht zu stören.

Dann aber, dem sicheren Bezirk entgegengesetzt: dort das Meer, unabsehbar, voller Überraschungen; und dort eine Insel, welche von der Sehnsucht aus dem Stoff von Träumen gebaut wird. Nicht mehr Haushalt, nicht das Im-Hausgehalten-Sein, sondern das freie Feld des Ungeheuren.

Pelegrin, der Vagant im Stück „Santa Cruz“, sagt uns, woraus die Spannung genährt wird: „Man kann nicht beides haben, scheint es. Der eine hat das Meer, der andere das Schloß; der eine hat Hawaii – der andere das Kind.“

Da geht neben dem Mann, neben der Frau, welche das Haus halten, der Vagant einher, der die Wohnstatt verschmäht. Was ist für ihn das Schönste? Das Suchen. Was wird gesucht? Max Frisch läßt es durch den Rittmeister aussprechen: „... Was suchen wir denn anderes als Ihn, der unser anderes, vielleicht unser wirklicheres Leben führt, das Leben, das ich heute selber führen würde, hätte ich damals das fremde Schiff bestiegen, das Meer erwählt und nicht das Land, das Ungeheure, nicht das Sichere ...“

Das Meer, nicht das Land; das Ungeheure, nicht das Sichere. Oder soll man sagen: Jugend, nicht Alter? Das würde insgeheim heißen: Widersetze dich der Zeit. Und das wiederum würde einschließen: Widersetze dich dem Leben.