FÜR alle, die sich aus Pflicht oder Neigung mit Fragen der Kulturpolitik beschäftigen –

Heinz Ischreyt: „Deutsche Kulturpolitik“ – Informationen über ihre pluralistischen und totalitären Formen, ein Leitfaden; Carl Schünemann Verlag, Bremen; 414 S., 19,80 DM.

ES ENTHÄLT: einen einführenden Essay des Verfassers, der Referent am Ostinstitut in Düsseldorf ist; knappe hundert Seiten Dokumente (Gesetzestexte, Grundsatzerklärungen, Empfehlungen, Auszüge aus richtungweisenden Reden und Verlautbarungen); einen Lexikonteil, in dem von A bis Z, von „Akademie der Künste, sozialistische“ bis „Zulassung zum Hochschulstudium“, wichtige Begriffe und Organisationen der Kulturpolitik erläutert werden (nach welchen Richtlinien arbeitet die Freiwillige Filmselbstkontrolle? Was war die Reichskulturkammer? Was wollen und sollen die Ruhrfestspiele? Welches sind die Aufgaben des Internationalen Schulbuchinstituts?); eine Zeittafel 1945 bis 1964; ein Sach- und Namenregister.

ES GEFÄLLT, weil es eine Menge sonst verstreuter und versteckter Informationen über ein ebenso wichtiges wie unübersichtliches Gebiet zwischen zwei Buchdeckeln versammelt hat; weil es mit eigenen Meinungen zurückhält, dafür aber um so ausgiebiger maßgebende fremde Meinungen zitiert; weil es die Kulturpolitik der Bundesrepublik nicht isoliert sieht, sondern immer wieder die Verhältnisse der Weimarer Republik, des NS-Staates und vor allem der DDR heranzieht. – Daß sich diese Dinge auf vierhundert Seiten nicht annähernd erschöpfend darstellen lassen, daß vieles in weiteren Auflagen zu ergänzen bleibt (besonders Auskünfte über einige der „regulären“ Bereiche der Kulturpolitik: das Schul- und Hochschulwesen, die verschiedenen Reformpläne, die Konfessionsschule, die Rundfunkanstalten und so weiter) und daß ein solches Buch zwischen Fertigstellung des Manuskripts und Veröffentlichung in manchen Punkten bereits überholt ist, versteht sich von selbst. Aber es wäre unbillig, einem nützlichen Buch zur Last zu legen, wieviel nützlicher es noch sein könnte.

D. E. Z.