Von Rudolf Walter Leonhard

Der verwunderte deutsche Gast in Zürich fragte sich, ob der Spektakel wohl auch dazugehörte zur fröhlichen Gesellschaft. "Eine fröhliche Gesellschaft" heißt ja der mit Hilfe eines "oder" zur Wahl gestellte zweite Teil des Stückes "Elio" von Otto F. Walter, das Werner Weber hier wie in seiner Neuen Zürcher Zeitung wie im Programmheft des Schauspielhauses Zürich so vielversprechend beschreibt.

Die Beschreibung stützt sich auf die Lektüre des im Kösel-Verlag, München, erscheinenden Stückes. Ob sie den Intentionen des Autors besser gerecht wird als die Interpretation des Regisseurs Werner Düggelin, sollte die Uraufführung erweisen.

Der Spektakel herrschte im Restaurant neben dem Schauspielhaus während der letzten halben Stunde, ehe dort das Spektakel beginnen sollte. Er wurde veranstaltet von einer maskierten Zehn-Mann-Band, die dem verwunderten Gast bewies: an lautstarken Phon gemessen, braucht der Karneval, der in Zürich gerade seinem Höhepunkt zustrebte, keinen Vergleich mit Mainz oder Köln zu scheuen. Aber vermutlich handelt es sich eher um einen internen Wettbewerb mit Basel.

Und hinterher trifft sich alles in der Kronenhalle, Zürichs illustrem Illustren-Treffpunkt, seit James Joyce dort einst am Mittagstisch sein eigentliches Schweizer Asyl gefunden hatte.

In Ulm und um Ulm herum nennt man so etwas "Happening". Zwar sah man auch den happening-verdächtigen Autor Pörtner in Zürich (wen sieht man dort eigentlich nicht?) – dennoch wurde glaubhaft geschworen: Nichts davon war organisiert, it just happened. Es lebe das wahre Happening!

It just happened, daß auch Franz Joseph Strauß am gleichen Abend in der Kronenhalle saß – und ein von den Deutschen verfolgter Deutscher stöhnte am Nachbartisch: Wofür bin ich eigentlich in die Schweiz emigriert!