Die junge Dame, die den Gast in der „Fremdenverkehrs- und Kongreß-Zentrale“ im Bieberhaus zwischen Hauptbahnhof und Deutschem Schauspielhaus empfängt, ist bereits ein Hamburger Symptom: Sie lächelt nicht, aber sie gibt rasch und sachlich Auskunft. Wenn man sie fragt, erfährt man immer mehr von ihr. Und sie überreicht ein paar Informationshefte: Ein buntes Werbeblatt, das nur animiert, nicht informiert; ein paar Photos, die anregen, Genaueres zu erbitten. Man bekommt’s auch. Es sind:

  • Ein Stadtplan, auf der einen Seite, von der Innenstadt samt Hafen und Alster und gezeichneten Sehenswürdigkeiten am Rand, auf der anderen von der ganzen. Stadt und der näheren Umgebung mit guten Hinweisen für Leute, die gern laufen und das Hamburger Wetter (das, so meinen die Hamburger, nur etwas feuchter und kühler und schwüler, aber gar nicht so oft schlechter ist als anderswo) als lokale Sehenswürdigkeit zu genießen versuchen.
  • Ein Plan von Hamburgs fernerer Umgebung von Cuxhaven bis Lübeck – hübsch gemacht mit bildlichen Hinweisen auf besuchenswerte Stätten. Aber auf der Rückseite ist wieder von Hamburg die Rede, kaum von der Umgebung. Wer die kleinen Eitelkeiten und die sich selbst überschätzende Anpreisung liest, dem wird dennoch ohne Zweifel geholfen.
  • Eine handliche rote Broschüre, „Hamburg – Tourist-Information“ von „Ausflüge“ bis „Zeitungen“. Daß Hamburg eine „Einkaufsstadt von Weltformat“ sei, ist ein bißchen übertrieben, dafür dient der unter jene Behauptung gedruckte Plan den Automobilisten: Parkplätze, Parkhäuser sind präzise eingezeichnet, die Umleitungen, die zum Kurven nötigen und Fremde zur Verzweiflung bringen, allerdings nicht. Noch etwas: Hamburger Spezialitäten findet man hier nicht unter S wie Spezialitäten, sondern unter H wie Hamburg: kein böser Wille, aber wohl auch nicht ganz untypisch.

*

Bleiben wir dabei, getreu der Erfahrung, daß man sich immer nur woanders erinnert, daß es Museen gibt. Hamburg hat deren mehrere. Die Kunsthalle natürlich. Aber etwas Besonderes in dieser Stadt, etwas mit Hamburger Atmosphäre sind:

Das „Museum für Hamburgische Geschichte“ (Nähe Reeperbahn): außer montags 10 bis 16 Uhr, samstags bis 13, mittwochs bis 19 Uhr geöffnet. Clou: Schiffe aller Zeiten, aller Arten, 110 Modelle, vom Wikingerboot angefangen. Dazu eine technische Spielerei: Der Bahnhof Harburg im Modell, größte Schau dieser Art in Europa, mit Vorführungen. Oder:

Das „Altonaer Museum“ (am Bahnhof Altona): geöffnet wie oben. Spezialität: Volkskunst und Volkskunde, zum Beispiel ein original Vierländer Haus mit Einrichtung, Bauernstuben; Trachten, Modelle. Ferner: ausgestorbene Tiere, Herbarien; Fahrzeuge und Geräte der Fischerei; viele Hinweise auf die Praxis im Hafen. Und:

Das „Ernst Barlach Haus“ im Jenischpark: es enthält, eigens dafür gestiftet und entworfen, nur Werke des norddeutschen Künstlers (Sammlung Reemtsma), sozusagen ein Museum nach Maß, architektonisch beachtenswert.