E. W., Paris, im März

Die deutsch-englischen Gespräche über die Rheinarmee werden in Pariser NATO-Kreisen mit großem Interesse verfolgt. Die englische Regierung hat angeregt, vor oder nach der Frühjahrstagung der NATO eine Konferenz der Verteidigungsminister einzuberufen. Sie sollen die Ergebnisse der Arbeitsgruppe prüfen, die die Planzahlen für den Verteidigungsbeitrag der einzelnen Mitglieder festsetzt. Dieses Arbeitsergebnis liegt noch nicht vor, und die Einberufung einer solchen Konferenz ist noch keineswegs gesichert. Es gilt aber als wahrscheinlich, daß die englische Regierung von diesem Gremium eine Unterstützung für die geplante Veränderung an ihren NATO-Kontingenten sucht – also für die Verminderung der Rheinarmee. Eine solche Reduzierung müßte dann formell vom Ministerrat der Westeuropäischen Union bestätigt werden, denn die Zahl der englischen Truppen am Rhein ist im WEU-Vertrag von 1954 verankert.

Nach den hier vorliegenden Informationen sehen die britischen Pläne etwa so aus: von drei britischen Divisionen in Deutschland sollen zwei nach England zurückgebracht werden. Die eine soll für allgemeine – vor allem überseeische – Aufgaben zur Verfügung stehen, die andere auch weiterhin ausschließlich für die NATO-Verteidigung im norddeutschen Raum. Sie könnte in kürzester Zeit wieder in ihren Einsatzraum befördert werden, in dem ihr Kriegsmaterial zurückbleibt und einsatzfähig gehalten wird.

Hinter diesen Überlegungen wird eine gewisse Big-Lift-Konzeption erkennbar, die nicht überall ohne Sorge betrachtet wird. Man hat aber den Eindruck, daß sie sich auch im amerikanischen militärischen Denken ausbreitet und daß die englischen Vorstellungen heute auf einen geringeren amerikanischen Widerstand stoßen als früher.