Die Moskauer Kommunisten-Konferenz hat mit einem Mißerfolg geendet. Der Plan, auf dieser Tagung eine neue Generallinie festzulegen, ein ständiges internationales Gremium für die kommunistische Weltbewegung zu schaffen und eine Weltkonferenz vorzubereiten, mußte bereits vor der Konferenz ad acta gelegt werden. Schon die Bezeichnung der Tagung als „Konsultativ-Treffen“ zeigte den viel bescheideneren Rahmen an.

Aber selbst unter diesen Bedingungen konnte Moskau es nicht erreichen, daß die 26 Eingeladenen auch wirklich teilnahmen. Außer den sechs Parteien der Pekinger Richtung (den herrschenden Parteien Chinas, Albaniens, Nordkoreas, Nordvietnams und den kommunistischen Parteien Indonesiens und Japans) haben auch die Rumänen die Tagung boykottiert. Schließlich schickten nur noch 19 kommunistische Parteien ihre Vertreter nach Moskau, darunter die acht herrschenden Parteien aus der Sowjetunion, Polen, DDR, Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Mongolei und Kuba sowie elf weitere kommunistische Parteien, darunter fünf aus Europa (England, Finnland, Frankreich, Italien, Westdeutschland) und sechs aus außereuropäischen Ländern (Argentinien, Australien, Brasilien, Indien, Syrien und den USA). Die Kommunisten Afrikas waren auf diesem Kongreß überhaupt nicht anwesend.

Im Unterschied zu früheren Tagungen ähnlicher Art waren die kommunistischen Länder und Parteien diesmal in der Regel nicht durch ihre Spitzenführer, sondern lediglich durch Funktionärsexperten für Probleme der Ideologie und der kommunistischen Weltbewegung vertreten. Die aus vier Mitgliedern bestehende sowjetische Delegation wurde freilich von Michail Suslow geleitet.

Die „Konsultativ-Konferenz“ fand in jenem Gästehaus auf den Lenin-Bergen statt, in dem schon im Juni 1963 die berühmten sowjetischchinesischen Verhandlungen mit einem Fiasko geendet hatten. Während der Tagung gaben die Teilnehmer eine recht allgemein gehaltene Erklärung gegen die amerikanischen Bombenangriffe auf Nordvietnam ab und bekundeten ihre „Solidarität mit der heroischen Partei der Werktätigen Vietnams“, die es selbst allerdings nicht für nötig befunden hatte, Abgesandte nach Moskau zu schicken.

Ganz offenbar fiel es den Teilnehmern schwer, sich auf ein gemeinsames Kommunique zu einigen. Zwei Auffassungen standen einander gegenüber. Eine Richtung wollte auf alle antichinesischen Akzente verzichten, um das Tor für eine eventuelle Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Peking offenzuhalten. Eine zweite Richtung dagegen befürwortete eine Verurteilung der chinesischen „Fraktionstätigkeit“. Diese Auffassung dürfte vor allem von den Delegationen der KP Australiens, Indiens und Brasiliens vertreten worden sein, das heißt jenen Ländern, in denen es eine zweite, eine „chinesische“ kommunistische Partei gibt.

Der chinesische Flügel benutzte diese Konferenz, um seine Angriffe gegen die Sowjetunion mit neuer Wucht vorzutragen. Genau zum Zeitpunkt des Moskauer Treffens wurde in Peking der dritte Band der chinesischen Sammlung aller Reden, Äußerungen und Schriften Chruschtschows veröffentlicht, mit einem Vorwort, in dem erklärt wurde: „Der finstere Geist Chruschtschows ist noch nicht verschwunden, darum kann der Kampf gegen den Chruschtschowschen Revisionismus nicht enden.“ Und die Pekinger Volkszeitung erklärte: „Der Disput wird niemals aufhören, solange es noch jene, gibt, die an den Chruschtschowschen Revisionismus glauben, die ihm folgen, die ihn propagieren.“

Vor allem wandte sich das Pekinger Blatt gegen die Wörter „friedlich“ und „gesamte“. Gemeint damit waren die sowjetischen Thesen über die friedliche Koexistenz zwischen den Ländern mit verschiedener Gesellschaftsordnung, den friedlichen Wettbewerb zwischen Kapitalismus und Sozialismus und den friedlichen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus. Und gemeint war auch die Erklärung auf dem 22. sowjetischen Parteitag, wonach die Sowjetunion aus einer Diktatur des Proletariats zu einem Staat des gesamten Volkes geworden ist und die KPdSU sich zu einer Partei des gesamten Volkes entwickelt hat.