In diesen Tagen kam aus Moskau das Januarheft des „Nowyj mir“ (Neue Welt), die Jubiläumsausgabe zum vierzigjährigen Bestehen der literarisch-künstlerischen und politischen Monatszeitschrift. Vier Autoren sind darin vertreten, die in den vergangenen Jahren in Frage gestellt oder scharf angegriffen wurden: Anna Achmatowa, Ehrenburg, Pasternak und Jewtuschenko.

Von Jewtuschenko lesen wir die „Ballade von der Wilddieberei“, vom räuberischen Fischfang, eine Attacke gegen den Genossenschaftsvorsitzenden im Flußgebiet von Petschora. Ilja Ehrenburg setzt die Veröffentlichung seiner Autobiographie „Menschen, Jahre, Leben“ (Buch sechs) fort, von Boris Pasternak werden aus dem Nachlaß Gedichte (1917–1942) und zwei Prosastücke veröffentlicht.

Die Prosa stammt aus dem Jahre 1943, Gegenstand ist der große vaterländische Krieg. Pasternak ist auf eigenes Betreiben zur Truppe gekommen, er durchstreift, als Kriegsberichter, wie es scheint, auf der Suche nach einer russischen Division das Gebiet der mittleren Front südlich Moskau, etwa im Gebiet von Orel. Es ist erschreckend, wie sehr sich hier der Kriegsberichter Pasternak dem Stil der Stunde (und seiner Umgebung) akkommodiert, wie konventionell heute sein Pathos gegen die grausamen und mitleidlosen Deutschen“ klingt.

Sein Vokabular bleibt hinter dem des Lyrikers, Faust-Übersetzers und auch Shiwago-Autors weit zurück. Stalin wird respektvoll genannt: „Das ganze Volk, von der Spitze bis zu den untersten Schichten, von Marschall Stalin bis zu den unermüdlichen Arbeitern und einfachen Soldaten ... hat gesiegt...“

Übrigens bringt das Heft, das fast 300 eng bedruckte Seiten enthält, auch die Erzählung „Entfernung von der Truppe“ von Heinrich Böll.

R. D.