G. Z., Frankfurt/Main

Amal Gayed rollt mit ihren großen schwarzen Orient-Augen: „Mit den Arabern bin ich fertig.“ Es hat ziemlich lange gedauert, bis es soweit kam. Auch heute noch ist sie nicht sehr glücklich darüber, daß sie in Fehde mit ihren Landsleuten geraten ist. Obwohl mit einem österreichischen Paß versehen, fühlt sich die Inhaberin des Ein-Mann-Unternehmens „inter-werbung“ – der Vater Ägypter, die Mutter aus Österreich – als Orientalin. Und daß sie „mit den Arabern fertig“ ist, bereitet ihr nicht nur seelischen, sondern vor allem finanziellen Kummer.

Heute ist Amal Gayed soweit, daß sie gegen den Leiter des ägyptischen Informationsbüros für den Fremdenverkehr in der Frankfurter Weißfrauenstraße gerichtlich vorgehen will. „Heute spricht Herr Rostom gar nicht mehr mit mir; ich habe den Eindruck, er läßt sich in seinem Büro verleugnen.“ Dabei waren es Amal Gayeds orientalische Freunde, die ihr immer wieder zugeredet hatten, sich selbständig zu machen, um die Fremdenverkehrswerbung der arabischen Staaten in der Bundesrepublik zu betreiben.

Das fing vor etwa vier Jahren an. Die Firmengründerin erhielt Aufträge, Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften der Bundesrepublik (von der „Deutschen Soldatenzeitung“ bis zum „Industriekurier“) unterzubringen, die für Reisen in die arabischen Staaten warben. Dabei machte sie sich von vornherein keine Illusionen über die Zahlungspünktlichkeit. Aber immerhin: „Es lief.“ Wenn auch sehr schleppend. Die Bank, die sich bereit erklärt hatte, bei der Überbrückung mitzuhelfen, kam in der Regel nach zwei bis drei Monaten zu ihrem Geld. Was sich jedoch seit August 1964 im Rahmen der Werbetätigkeit zugunsten der VAR abspielt, entspricht keineswegs mehr einem seriösen Geschäftsablauf“, beklagt sich die Werbe-Managerin heute. Im Sommer vergangenen Jahres wurde nämlich eine Vereinbarung zwischen dem ägyptischen Fremdenverkehrsbüro in Frankfurt und der „interwerbung“ über eine Anzeigen-Kampagne getroffen, die sich bis Ende 1964 erstrecken sollte.

Nun erschienen zwar laufend die Anzeigen, das Geld des ägyptischen Auftraggebers aber blieb aus. Die Rechnungen wies der Direktor der Fremdenverkehrszentrale zunächst mit dem Hinweis zurück, sein Werbe-Etat käme erst im Oktober. Doch der Oktober verging wie auch der November: Von Geld seine Spur. Inzwischen schleppte Amal Gayed ihren Kunden zu ihrer Bank, die auch langsam begann, nervös zu werden. Sie ließ sich bestätigen, daß der Ägypter zumindest die Forderung anerkenne und zur Zahlung bereit sei. Um guten Willen zu zeigen, wurde sogar Anfang Dezember vergangenen Jahres auf den Schuldbetrag von 26 000 Mark eine A-conto-Zahlung von 7000 Mark geleistet.

An Stelle des sehnsüchtig erwarteten Geldes kam Ende Dezember 1964 aus Kairo ein neuer Direktor für das Frankfurter Informationsbüro. Der neue Chef wollte zunächst von Zahlungen gar nichts wissen. Tatsächlich fand er einen Grund: Der Auftrag an „inter-werbung“ enthielt nämlich nicht nur Zeitungsannoncen, sondern die Anfertigung von Zündholzbriefchen, mit denen für das Reich Nassers Reklame gemacht werden sollte. Wenn diese Zündholzbriefchen da seien, wäre er sogar bereit, sich den notwendigen Betrag von dem ägyptischen Generalkonsulat oder von der Botschaft vorlegen zu lassen. Das teilte Amal Gayed sofort ihrer Bank mit, denn der Ruf ihrer Firma war mittlerweile so ramponiert, daß er eine Aufpolierung durch die Ankündigung nun doch noch eingehender Gelder gut gebrauchen konnte.

Am 13. Januar war dann schließlich der letzte Stein aus dem Wege geräumt: Die Zündholz-Monopolgesellschaft belieferte den ägyptischen Kunden. Doch von Bezahlung war nach wie vor keine Rede. Die Bank begnügte sich nun nicht mehr mit Versprechungen, sondern setzte eins allerletzte Frist bis zum 31. Januar. Ehe der Termin herankam, gab es wiederum ein Bankgeplauder, das mit dem ägyptischen Versprechen endete, bis zum 12. Februar – komme was da kommen wolle – den Restbetrag zu begleichen. Doch wiederum gab es kein Geld, sondern nur hinhaltende Ausflüchte. Der Fremdenverkehrswerber vom Nil versicherte, er habe in seinem Büro keine Unterlagen darüber gefunden, daß die Geschäfte tatsächlich abgewickelt seien. Immermehr in die finanzielle Enge getrieben, trennte sich Amal Gayed schließlich leihweise von ihren letzten Belegexemplaren, um jeden Anlaß zu vermeiden, die Zahlungen noch weiter zu verzögern. Aber auch das nützte nichts. „Ich weiß wohl“, sagt die von ihren Landsleuten enttäuschte Werbe-Unternehmerin, „daß es hier um keinen Riesenbetrag geht.“ Sie stehe allerdings auf dem Standpunkt, daß auch kleine Beträge beglichen werden müßten.