Zunächst hatte ich den Eindruck, daß der alte Vater aus Krähwinkel ein Protektionskind der „Barbarahilferedaktion“ sei, vielleicht ein republikflüchtiger Stückeschreiber oder Journalist, dem die „Zeit“ fürs erste wohlwollend ein geistiges Dach über dem Kopf und die eigenen Spalten zur Verfügung stellt, mildtätig unbesehen alle Manuskripte akzeptierend. Aber nach etlichen Krähwinkel-Folgen muß ich feststellen, daß der alte Vater ja ein Arrivierter ist, mit eigenem Landhaus, in dem Kamin und edle Hunde genau die aparte Innenatmosphäre verbreiten, die ich früher in den Veit-Harlan-Filmen so liebte. Dann ist da eine akademische Tochter, die Klavier spielen kann, eine durchaus höhere Tochter also. Unmöglich, daß der alte Vater es nötig hätte, um des schnöden Geldes willen zu schreiben. Zugleich ebenfalls völlig undenkbar, daß er die „Zeit“ benutzt, um das Porto für die Briefe an seine huppedohlische Tochter zu sparen. So bleibt nur die Erklärung, daß er einem zahlreichen Lesepublikum etwas Wichtiges mitzuteilen hat, wenn auch verfremdet wie aus “Jux-und-Dollerei“, wie man im Rheinland sagt. Aber die Verfremdung seiner sicherlich bedeutenden Mitteilungen wird für viele Leser, wenn ich mich als Maßstab nehmen darf, zu stark sein. Man möchte sich ja weiterbilden, teilhaben an Erkenntnissen, Lehre schöpfen, von den elegischgelassenen Weisheiten aus Krähwinkel profitieren. Das jedoch bleibt einem verwehrt eben wegen des Verfremdungseffektes. Das müßte dem alten Vater einmal gesagt werden.

Noby Schmitzer, Innsbruck

Seit einiger Zeit erscheint die Serie „Brief aus Krähwinkel“. Leider habe ich zu spät geschaltet, so daß ich nur die „Briefe“ seit etwa Mitte Dezember ausgeschnitten habe. Sehr gern hätte ich die Serie aber komplett. Gibt es da eine Möglichkeit? Ist eine Veröffentlichung in Buchform vorgesehen?

Lassen Sie doch bitte den (leider) anonymen Verfasser der „Briefe aus Krähwinkel“ wissen, daß meine Bekannten und ich davon begeistert sind. Es ist eine der nettesten und geistvollsten Serien, die in der „Zeit“ erschienen sind. Mit leichter Hand, viel Humor und leiser Ironie werden die Akzente gesetzt – bewundernswert!

Veronika Demohn, Freiburg

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Eine Veröffentlichung in Buchform ist wahrscheinlich. Jedenfalls schrieb uns ein Verleger vor kurzem: