Sechs satirische Trauerreden auf einen nicht nur erfundenen Vertreter des öffentlichen Lebens

Von Felix Rexhausen

Der Tod eines Rundfunkintendanten (wie überhaupt bedeutender Persönlichkeiten des öffentlich-rechtlichen Lebens) ruft stets eine ganze Reihe von Grabrednern auf den Friedhofsplan. Die große Hauptrede bei der Beisetzung des Intendanten einer Rundfunk- und Fernsehanstalt hält in jedem Fall ein Geistlicher der Konfession, der der Verstorbene angehört hat; er gibt, mit allen bedeutsamen Hervorhebungen an den passenden Stellen, die Biographie des Entschlafenen und würdigt ihn als Menschen, Familienvater, homo religiosus und Träger großer öffentlicher Verantwortung. Dann treten Vertreter der übrigen Gruppen und Kreise auf, die mit dem toten Intendanten zusammengearbeitet haben.

Ein Vertreter der katholischen Kirche spricht

Den Alten galt die Gerechtigkeit als die höchste Tugend. In der Heiligen Schrift ist das Wort völlig synonym mit dem Heiligen. Gerecht zu sein, ein Amt mit Gerechtigkeit zu verwalten – das ist auch in der pluralistischen Gesellschaft unserer Tage und gerade heute von dem Menschen verlangt, dem große öffentliche Verantwortung übertragen ist.

Intendant Adalbert Sixtus, der nun seine Seele in die Hand seines Schöpfers zurückgegeben hat, Intendant Sixtus hat sein Amt in dieser Art groß gesehen und geführt. Das katholische Volk verliert in ihm einen großzügigen, einen verständnisvollen Helfer, einen gewissensstarken Hüter des christlichen Erbes und Beschützer der ethischen Fundamente unserer abendländischen Kultur.

Adalbert Sixtus wußte nur allzu gut, daß Rundfunk und Fernsehen, wie alle weltlichen Einrichtungen, zu Segen und Nutzen, aber auch zu Unheil und Verderben der Menschen sein können; er wußte, welche Macht über die Seelen diese Instrumente implizieren, worauf erst vor kurzem der Papst in seiner Enzyklika „Audienti vox“ wieder hingewiesen hat. All sein Bemühen galt dem Ziel, mit den Werken der an sich wertneutralen Technik den Menschen an das Gute heranzuführen.