pf, Berlin

Nöspl“ und „Waschstützpunkt“ – beide Wörter sind keine karnevalistischen Erfindungen. Sie sind der deutschen Sprache entnommen, jener allerdings, die in der DDR gesprochen und gedruckt wird. „Nöspl“ – das ist die Abkürzung für „Neues ökonomisches System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“, und ein „Waschstützpunkt“ ist eine Wäscherei.

Unlängst hatte ein schlauer Anonymus in der DDR-Presse geschrieben: „Die Problematik besteht darin, die berechtigten Wünsche der Bevölkerung, insbesondere der berufstätigen Frauen, nach Verbesserung der Reparaturen und Dienstleistungen und die Rentabilität dieses Sektors der örtlichen Versorgungswirtschaft auf einen Neuner zu bringen. Oder anders: Die Grundsätze des neuen ökonomischen Systems der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (das Nöspl) sind auch hier durchzusetzen. Im Bezirk Leipzig wurde das bereits seit längerem experimentiert, und die Erfahrungen, die jetzt vorliegen, lassen erkennen, daß dort den Sorgen unserer werktätigen Frauen energisch zu Leibe gerückt wird.“

Und weiter: „Die guten Erfahrungen, die ein Versorgungsvertrag ergab, der zwischen der Werkleitung des VEB Leipziger Baumwollspinnerei und einer Reihe von Dienstleistungsbetrieben geschlossen wurde, haben den Rat des Bezirks Leipzig veranlaßt, alle Räte der Kreise zu beauftragen, mit den wichtigsten Betrieben Versorgungsverträge ähnlicher Art abzuschließen.“ Woraus sich für den Autor der folgende logische Schluß ergibt: „Oberster Grundsatz ist jedoch, und das gilt für alle örtlichen Organe, unseren Werktätigen das Leben durch die Verbesserung der Reparaturen und Dienstleistungen angerehmer und schöner gestalten zu helfen.“

Diese „Schönergestaltung des werktätigen Lebens“ könne, so meint der Autor, auch erfolgen durch die Schulung der Leiterinnen von „Waschstützpunkten“ und durch die Anwendung des „Prinzips der materiellen Interessiertheit“, die man bei uns schlicht Lohnerhöhung nennen würde.

Da ist es nur verwunderlich, daß kein Zitat des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, kein Beschluß des 7. Plenums des ZK der SED angeführt werden, um das bessere Waschen schmutziger Wäsche und das schnellere Besohlen durchgelaufener Schuhe auch ideologisch zu untermauern ...