Die Nachfrage nach Haus- und Grundbesitz ist immer noch groß. Entsprechend sind die Preise. Nur wenige Sparer sind in der Lage, einen Teil ihres Geldes in Immobilien anzulegen. Hauptsächlich deshalb, weil die angebotenen Objekte zu kostspielig sind. Wer aus Gründen der Risikostreuung ein Haus kaufen möchte, ist nur selten in der Lage, dafür 100 000 Mark und mehr auszugeben, weil dann für die übrigen Anlageformen schwerlich noch etwas übrigbleibt. Das Problem läßt sich nur lösen, wenn Anteile an Grundstücken und Gebäuden erworben werden. Mit Hypotheken ist das nicht getan, denn sie unterliegen der ständigen Geldwertverschlechterung, die der Immobilienbesitzer ja gerade vermeiden will.

Anteile an Immobilien werden heute in verschiedenen Formen angeboten. Da ist neuerdings der sogenannte Hausbesitzbrief der gewerkschaftseigenen Wohnungsbaugesellschaft „Neue Heimat“ .Mit ihm wird man Anteilsinhaber an einem Hamburger Wohnbau- und Geschäftskomplex. Es wird eine fünfprozentige Verzinsung garantiert. Daneben kommt der Inhaber des Hausbesitzbriefes in den Genuß der steuerlichen Abschreibungen. Beim beabsichtigten Verkauf ist die Deutsche Pfandbriefanstalt behilflich. Einen eigentlichen Markt für die Hausbesitzbriefe gibt es noch nicht. Dazu sind sie noch zu jung. Die „Neue Heimat“ und die Deutsche Pfandbriefanstalt bieten aber die Gewähr dafür, daß es hier mit rechten Dingen zugeht.

Sehr interessant sind daneben die diversen Fonds der Deutschen Immoblilien Investierungs-AG, München, bei denen der Zeichner – genau wie beim Hausbesitzbrief – Mitinhaber eines genau umrissenen Gebäudekomplexes wird. Die Münchener Gesellschaft hat in der Vergangenheit Bauten in Berlin errichtet, um die Zeichner in den Genuß der beachtlichen Berliner Sonderabschreibungen zu bringen. Für Steuerzahler in hoher Progression dann eine lohnende Sache, wenn man sich aus dem besonderen Risiko Berlins nichts macht!

Als Vermögensanlage schwierig zu beurteilen sind die einzelnen Angebote an sogenannten Ferienwohnungen oder Wohnungen in Ferienhotels, die in Gegenden mit großem Fremdenverkehr errichtet werden. Ob es sich im Einzelfalle lohnt, wird im wesentlichen immer darauf ankommen, wie hoch man selbst die eingeräumte Möglichkeit einschätzt, an einem solchen Ort Ferien machen zu können. Darüber, meine verehrten Leser, kann ich mich allgemeingültig natürlich nicht äußern. Lassen Sie auf alle Fälle, bevor Sie bei einer der auf diesem Gebiet tätigen Gesellschaften ein Engagement eingehen, den Ihnen vorgelegten Vertrag juristisch auf etwaige Mängel hin prüfen.

Regen Zuspruch fanden in den letzten Jahren die sogenannten klassischen Immobilien-Fonds, die ähnlich wie Wertpapier-Fonds arbeiten, nur daß ihr Vermögen in Grundstücken und Gebäuden statt in Aktien und Rentenpapieren angelegt ist. In der Schweiz gibt es mehrere Immobilien-Fonds dieser Art, in der Bundesrepublik nur einen, nämlich den iii-Fonds Nr. 1 der „Internationales Immobilien-Institut AG“, München.

Wir wollen uns, meine verehrten Leser, an dieser Stelle nicht mit der besonderen technischen Konstruktion dieser Gesellschaft aufhalten, die weitgehend auf steuerliche Erwägungen zurückgeht, sondern vielmehr mit den Ergebnissen, die der iii-Fonds Nr. 1 in den vergangenen Jahren erzielt hat. Wer 1959 ein iii-Zertifikat zum Preis von 100 Mark erwarb, konnte in den sechs Jahren (1959 bis 1964) an Ausschüttungen zusammen 27,60 Mark kassieren. Außerdem hat sich der Wert des Zertifikates um 35,10 Mark erhöht, so daß der gesamte Nutzen 62,70 Mark beträgt, also sich eine jährliche Rendite von etwas über 10 Prozent ausrechnen läßt. Ich würde sagen, daß sich die Anlage gelohnt hat, wenngleich sich natürlich zeitweise bei reinen Aktien-Fonds mehr verdienen ließ (aber nach 1960 waren auch die Verlustmöglichkeiten erheblich größer).

Erfolge der Vergangenheit sind selbstverständlich ein gutes Werbeargument, aber noch lange nicht die Gewähr dafür, daß es in Zukunft weiterhin so gut gehen wird. Aber nach Lage der Dinge kann als sicher gelten, daß die Grundstückspreise nicht nennenswert fallen, eher teurer werden und mit den ständig steigenden Baukosten auch der Immobilienbesitz seinen Wert jährlich erhöht. Die Risiken erscheinen gering; sie sind sicherlich kleiner als bei einer Anlage in Aktien, bei denen der Charakter als substanzerhaltende Anlage durch wirtschaftliche Wechselfälle häufig in Frage gestellt wird.