DIE ZEIT

Abzug vom Rhein?

Die deutsch-englischen Gespräche über die Rheinarmee werden in Pariser NATO-Kreisen mit großem Interesse verfolgt. Die englische Regierung hat angeregt, vor oder nach der Frühjahrstagung der NATO eine Konferenz der Verteidigungsminister einzuberufen.

Deutsches Dilemma

Nin haben wir also eine modifizierte Hallstein-Doktrin. Sie lautet: "Eine Aufwertung dieser Zwangsherrschaft (also der DDR) wird von der Bundesrepublik Deutschland als unfreundlicher Akt betrachtet und durch jeweils dem Einzelfall angemessene Maßnahmen beantwortet werden.

Und Erhard entschloß sich doch

Es war kein einsamer, aber für die meisten ein überraschender Entschluß, mit dem Kanzler Erhard die tagelangen und schließlich peinlich wirkenden Beratungen über die Bonner Nahostpolitik vorläufig abschloß.

Fanfanis Comeback

Zwei Monate lang suchte Italiens Premier Aldo Moro nach einem Außenminister. In einer achtstündigen Marathonsitzung mit den Parteisekretären der Regierungskoalition fand er schließlich in der Nacht zum vergangenen Sonntag einen Nachfolger für den im Dezember zum Staatsoberhaupt gewählten Guiseppe Saragat: den 57jährigen Christlichen Demokraten Amintore Fanfani.

Gastspiel abgesagt

Der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Professor Otto Lang, hat das geplante Gastspiel seines Theaters in Wiesbaden abgesagt.

Zeitspiegel

„Als es Westdeutschland nicht gelang, Ostdeutschland die Politik Tansania gegenüber zu diktieren, zog Bonn seine Instrukteure aus Armee und Polizei zurück.

Römisches Forum für Ketzereien

Was sich weder Stalin noch Chruschtschow träumen ließen, geschieht nun vor den Augen ihrer Nachfolger: Wenn die Genossen in Osteuropa nach neuen Impulsen Ausschau halten, blicken sie immer öfter nach Rom und immer seltener nach Moskau.

Bonn ist zufrieden

Das Gespräch des britischen Premierministers mit dem Bundeskanzler hat dazu geführt, daß man sich besser versteht. Wilson kam eher skeptisch nach Bonn.

Auf dem Wege zum Überwachungs-Staat

Wie steht es mit der Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik? Darauf versucht Richard Schmid eine Antwort zu geben. Er kritisiert das neue Vereinsgesetz und die Neufassung des Strafgesetzbuch-Paragraphen 90a.

„Mit dem Dolch unter der Robe“

Während im Bundestag die Diskussion um die Verjährungsfrist für nationalsozialistische Gewaltverbrechen zum beherrschenden Thema der Vergangenheitsbewältigung geworden ist, schleppt sich seit Jahr und Tag eine andere Auseinandersetzung nur zögernd dahin: der Streit um die aus der Nazizeit belasteten Richter und Staatsanwälte.

Eine Politik für Europa

Der kalte Krieg in Europa hat seine einstige Bedeutung verloren. Er wurde mit Engagement und Leidenschaft geführt, solange beide Seiten glaubten, er könnte andauern, und solange sie sich ernsthaft bedroht fühlten.

Schumans Erbschaft

Mehr als dreihundertmal gab der Elfenbeinhammer den Zuschlag: Das Ergebnis war fast eine halbe Million Francs für über tausend Handschriften.

Leipziger Lektion

Die Leipziger Jubiläumsmesse ermunterte den sonst eher zurückhaltenden DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph zu einer Festrede, in der er die angeblichen Gefahren der Bonner Politik für Frieden und Sicherheit in Europa und in aller Welt mit den schwärzesten Farben an die Wand malte.

„Sie sind allzumal Sünder“

Guter Staat ist teuer“, schrieb Diether Stolze in seinem Leitartikel vor einer Woche (ZEIT, Nr. 10). Ein teurer Staat ist deswegen aber noch nicht gut.

Lob auf die Regierung!

Schluß mit der – natürlich zersetzenden! – Kritik an unserer Regierung. Wer sie wegen der Nahost-Krise tadle und gar ihren Rücktritt fordere, der besitze keine nationale Disziplin und sei kein Demokrat – meinte F.

Ärger mit Peking und den anderen „Brüdern“

Die Moskauer Kommunisten-Konferenz hat mit einem Mißerfolg geendet. Der Plan, auf dieser Tagung eine neue Generallinie festzulegen, ein ständiges internationales Gremium für die kommunistische Weltbewegung zu schaffen und eine Weltkonferenz vorzubereiten, mußte bereits vor der Konferenz ad acta gelegt werden.

Chile: Revolution in Freiheit

Wird Chile der Musterknabe Südamerikas? Ein unerwartet hoher Wahlsieg hat dem seit September amtierenden Präsidenten Eduardo Frei jetzt für seine „Revolution in Freiheit“ freie Bahn gegeben; für soziale Reformen ohne Anleihen bei Mao, Lenin oder Fidel Castro und ohne faschistischen Betrug.

Namen der Woche

Seretse Khama, der neue Premierminister von Betschuanaland, darf das Nachbarland Südafrika wieder betreten. In den fünfziger Jahren war der Häuptlingssohn in Acht und Bann getan worden, weil er eine weiße Frau geheiratet hatte.

„Marines“ nach Vietnam

Die USA haben am Montag zum erstenmal bewußt das Genfer Indochina-Abkommen von 1954 verletzt. Mit Zustimmung der südvietnamesischen Regierung in Saigon gingen 3500 reguläre Soldaten der US-Marine-Infanterie, der gefürchteten amerikanischen Elitetruppe, in Zentralvietnam an Land.

Alabama: Tränengas gegen betende Neger

Neue Rassenkrawalle im Südstaat Alabama schockierten die amerikanische Öffentlichkeit: Gouverneur Wallace ließ am Sonntag einen Demonstrationszug von 600 Farbigen von seiner Polizei mit Reitpeitschen, Schlagstöcken und Tränengas auseinandertreiben.

Von ZEIT zu ZEIT

Bundeskanzler Ludwig Erhard gegen den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Ägypten und für die Aufnahme solcher Kontakte zu Israel.

D-Mark für Rheinarmee?

„Man kann den Durchschnittsbürger in England nur schwerlich davon überzeugen, daß er für die Streitkräfte in Deutschland die volle wirtschaftliche Last tragen soll.

Aschermittwoch der Nahostkrise

Die Nahostkrise wuchs sich vorige Woche fast zu einer Kanzler- und Regierungskrise aus: Verstimmungen in der Führungsspitze der CDU/CSU, Spannungen zwischen Kanzler und FDP, Kritik am Regierungsstil des Kanzlers, Interventionen der Westmächte, Marathon-Sitzungen des Kabinetts gingen der Entscheidung voraus, mit der Ludwig Erhard aus dem Dilemma zwischen Arabischer Liga und Israel herauszukommen trachtete.

Straßenschlacht in Moskau

Moskau erlebte am vorigen Donnerstag die schwerste Straßenschlacht seit der bolschewistischen Revolution. Etwa 3500 Studenten aus Asien, Afrika und Lateinamerika, angeführt von Chinesen und Nordvietnamesen, zogen vor die US-Botschaft in der Tschaikowskystraße, um gegen Bombenangriffe auf Nordvietnam zu protestieren.

Paul Sethe:: Max Brauers letzter Kampf

Die bundesrepublikanische Öffentlichkeit ist in diesen Wochen Zeuge eines Ringens, in dem der Hauptkämpfer überall auf Achtung, ja Zuneigung und Bewunderung stößt und bei dem ihm doch jeder die Niederlage voraussagt.

„Respekt vor den Deutschen“

Auf die Frage „Wie sehen uns die Amerikaner?“ hat Joseph Kraft in der ZEIT vom 19. Februar 1965 eine nicht eben schmeichelhafte Antwort gegeben: Das amerikanische Deutschlandbild werde bestimmt von Ressentiments aus der Nazi-Zeit – oder von totaler Gleichgültigkeit.

Korrektur eines Mißverständnisses

Durch den Streit um die Verlängerung der Verjährungsfrist und durch die Suspendierung des geheimen deutsch-israelischen Waffenabkommens war in den Vereinigten Staaten eine starke antideutsche Welle ausgelöst worden.

Nur ein bißchen Ruß

Eine Strecke mit Kiefern flog an Hornemanns Blicken vorbei. Der Zug fuhr hundert – Hornemann kannte diese Strecke schon seit fünfundzwanzig Jahren: als Heizer, Reservelokführer, Lokführer und Oberlokführer.

Ein Hoch dem Nöspl

Nöspl“ und „Waschstützpunkt“ – beide Wörter sind keine karnevalistischen Erfindungen. Sie sind der deutschen Sprache entnommen, jener allerdings, die in der DDR gesprochen und gedruckt wird.

„Schock für Lieschen Müller“

Fragen dieser Art waren es, die Professor Dr. Bürger-Prinz, Direktor der Psychiatrischen und Nervenklinik der Universität Hamburg, und der Leiter des Instituts für Sexualforschung, Dozent Dr.

Wohin mit Bertold III.?

Die einen reden von „historischer Pflicht“, die anderen von einem „Schildbürgerstreich“. Alle aber meinen Bertold III. Dieser Bertold, längst verblichener Herzog aus dem „Städtegründergeschlecht“ der Zähringer, gilt den Bürgern von Freiburg beinahe so viel wie den Bremern der Roland.

Selbachs seltsame Gutachten

Seit seinem Auftreten, mehr noch nach seinem blamablen Abtreten als Sachverständiger im Münsteraner Prozeß gegen Dr. Weigand („Ich trete aus dem Unternehmen aus!“) steht Professor Dr.

Kieler Gnade

Schleswig-Holsteins langjähriger und liberaler Justizminister Dr. Bernhard Leverenz hat für eine kleine juristische Sensation gesorgt: Er begnadigte den wegen Totschlags zu achtzehn Monaten Gefängnis verurteilten Freiherrn Franz von Ruffin, nachdem dieser lediglich fünf Monate verbüßt hatte.

Aus „Tausendundeiner Nacht“

Amal Gayed rollt mit ihren großen schwarzen Orient-Augen: „Mit den Arabern bin ich fertig.“ Es hat ziemlich lange gedauert, bis es soweit kam.

Ad acta gelegt?

Eine wichtige Initiative scheint gescheitert, ein wesentliches Teilstück der Justizreform ad acta gelegt: die seit langem geplante Richterakademie wird vorläufig nicht errichtet.

Babys Paßport

Er heißt Immanuel schreit kräftig, trinkt viel und ist ein schönes Kind. Das Photo zeigt ihn im zarten Alter von zwölf Tagen, es zeigt ihn aber auch behördengerecht: mit sichtbarem linkem Ohr.

Wenn Nasser lockt...

Wohnstuben und Hotelzimmer sind die Treffpunkte verschwiegener Versammlungen von Fachkräften der in Bayern gelegenen Werke der Luftfahrtindustrie.

Fernsehen: Rezepte und Gerichte

Man nehme, lautet ein altes Rezept, ein paar pikante Zeitgeschichtsvisiten (sie sind, vortrefflich dosiert, als Konserven erhältlich) und führe, zur Fastnachtszeit, in einem Basler Hotel – es könnte auch in Brasilien liegen, Hauptsache, daß Karneval ist – drei exemplarische Typen, einen mit falschem Namen untergetauchten SS-Mann (A), einen schwerhörigen Juden aus Koblenz (B) und einen Widerstandskämpfer (C) zusammen, dessen Frau einmal Mirjam Lichtenstein hieß.

Film

„Lieber John“ (Schweden; Verleih: Atlas): Das kommt dabei heraus, wenn ein Schuster nicht bei seinen Leisten bleibt und nach Höherem strebt.

Funk: Kolloquium

Bei der massierten Konkurrenz von Bildungsbeflissenen Sendungen hat es der Hörer sonntagmorgens nicht leicht. Zwar hegt er wider besseres Wissen noch immer die verwegene Hoffnung, daß demnächst irgendein Koordinator die Sendungen zeitlich besser verteile.

Der Western gehört zum Kino der Autoren

Western sind zur Zeit die große Kinomode. Ich meine nicht die Karl-May-Welle der bundesdeutschen Produktion – und verwandte Erscheinungen in der italienischen und spanischen.

Theater

Daß dieses fulminante Theaterstück, als Gattung ein Nebenwerk des Erzählers Flaubert, neun Jahrzehnte im deutschen Theater ungespielt blieb, ist schwer zu begreifen.

Nur in Amerika?

In Amerika trägt die Post zu allen übrigen Lasten noch die Last der Verantwortung, daß die von ihr beförderten Güter weder die Moral noch die Sicherheit des Landes gefährden.

Keine Eingriffe eines Obrigkeitsstaates!

Wie in der ZEIT Nr. 10/65 angekündigt, nimmt Professor Dr. Walther Killy, Ordinarius für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Göttingen, hier Stellung zu dem dort abgedruckten Aufsatz „Der Staat und seine Hochschulen“ von Dr.

Auch das war Pasternak

In diesen Tagen kam aus Moskau das Januarheft des „Nowyj mir“ (Neue Welt), die Jubiläumsausgabe zum vierzigjährigen Bestehen der literarisch-künstlerischen und politischen Monatszeitschrift.

Brief aus Krähwinkel

Aber: häßlich – was, bitte sehr, heißt das? Du siehst nicht aus wie die Mona Lisa, stimmt. Übrigens ist die auch nicht „hübsch“, wie Du sein möchtest.

Briefe aus und nach Krähwinkel

Zunächst hatte ich den Eindruck, daß der alte Vater aus Krähwinkel ein Protektionskind der „Barbarahilferedaktion“ sei, vielleicht ein republikflüchtiger Stückeschreiber oder Journalist, dem die „Zeit“ fürs erste wohlwollend ein geistiges Dach über dem Kopf und die eigenen Spalten zur Verfügung stellt, mildtätig unbesehen alle Manuskripte akzeptierend.

Kleiner Kunstkalender

Ein Stilleben? Arcimboldis „Bibliothekar“ wäre in einer Manieristen-Schau besser placiert. Das Bild als natura morta betrachten, heißt das geistvoll arrangierte Porträt auf seine materiellen Bestandteile reduzieren.

Zeitmosaik

Geschichte treiben setzt das Wissen darum voraus, daß man damit etwas Unmögliches und dennoch Notwendiges und höchst Wichtiges anstrebt.

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