Es war am Donnerstag vergangener Woche. Wer frühmorgens im schlitternden Taxi fuhr, wunderte sich über die phantastischen Gebilde am Straßenrand. Denn unter den Schneemassen traten nur undeutlich noch die Umrisse der Autos hervor, die sich jetzt von ihrer „Laternen-Garage“ aus eigener Kraft nicht mehr wegrühren konnten und freigeschaufelt werden, mußten. Aber rund um die Gedächtniskirche und den Kurfürstendamm hinab floß schon wieder reibungslos der Verkehr. Er strömte flott, eingedämmt durch bergehohe Schneewälle rechts und links. Die Erklärung heißt: Die Bereitschaftspolizei war alarmiert worden und hatte schon in den Nachtstunden zu den Schneeschippen gegriffen.

Man weiß, wie rasch die Berliner Spott und Kritik wetzen, wenn ihnen gerade an Männern in Uniform und speziell an Polizisten etwas nicht gefällt. In diesem Falle aber, wo Uniformierte mit ihrem Schneeräumen offenbar etwas sehr Ziviles taten, erscholl das Lob der Polizei in allen Lokalen, auf allen Plätzen, in Taxis, Omnibussen und Straßenbahnen. Der Schnee vergeht, aber das sollte festgehalten werden.

Wir möchten ja eigentlich nicht böse sein mit den Polizeibeamten, die in unseren Großstädten ihren Dienst tun und uns Zettel an die Windschutzscheiben kleben, wenn wir die Parkzeit überschreiten, die uns „zurückpfeifen“, wenn wir bei „Rot“ über die Straße gehen, obwohl weit und breit keine Gefahr im Anrollen ist, und die selbst dann, wenn sie uns helfen wollen, ihre Kontrollier-Mienen aufsetzen. Wir möchten ihnen nicht böse sein, allen nicht, ob sie zur Gendarmerie, zur Bereitschaftspolizei oder zur Verkehrspolizei gehören.

Und so verbreitete sich denn der Taxifahrer in Berlin über „det nervenzerrüttende Schutzmannsleben“ und darüber, „wie die Abjase von de Autos den Mann ooch nich frischer machen, eher’t Jejenteil.“

Schneefülle über Berlin. Nächtlicher Alarm. Und weil das Vorbild der schippenden Bereitschaftspolizei wirkte, wurden alle Schutzleute blütenweiß – auch die an der Ecke.