Vor elf Jahren verreisten 1321 junge Leute mit der Gesellschaft für Internationalen Jugendaustausch aus Bonn, die sich kurz Fahr mit“ nennt. Im vergangenen Jahr waren es rund 45 100 Jugendliche. In diesem Jahr wird ihre Zahl wohl wieder etwas steigen, wenn auch nur sehr gering, wie die Veranstalter vermuten. Die Konkurrenz anderer Reiseunternehmen, die wissen, daß sich das Geschäft mit Jugendreisen lohnt, ist größer geworden. Nun bildet „Fahr mit“ eine Ausnahme: Es ist ein eingetragener Verein, hervorgegangen aus der Auslandskontaktstelle des Rings politischer Jugend, der als gemeinnützig anerkannt ist und vom Bundesministerium für Familien- und Jugendfragen gefördert wird. Mit anderen Worten: „Fahr mit“ braucht keine Gewinne einzukalkulieren, kann also billiger sein als andere Unternehmen.

Das Sommerprogramm (Auflage 100 000, auf Anfrage wird es zugeschickt) nennt 101 Ziele. Und da auch junge Leute nicht hinter der Zeit herhinken wollen, mußten Flugreisen in das Programm aufgenommen werden. Also wird auch Mallorca angeflogen: Fünfzehn Tage ab Düsseldorf von 356 bis 430 Mark, Vollpension. Der Goldstrand in Bulgarien (fünfzehn Tage ab Düsseldorf 547 bis 603 Mark, Vollpension, während der Hauptsaison) ebenso wie Griechenland mit Athen und Rhodos (fünfzehn Tage ab Düsseldorf 589 Mark, Vollpension).

Im Gegensatz zu anderen Jugendreiseunternehmen, die den Begriff Jugendlicher nach dem Motto auslegen: „Man ist so alt, wie man sich fühlt“, dürfen mit „Fahr mit“ nur junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren verreisen. An jedem Ferienort warten zur Beruhigung der Eltern Jugendleiter, die die jungen Touristen betreuen, und ihnen – die politische Herkunft von „Fahr mit“ ist nicht zu verleugnen – etwas von dem Staat berichten sollen, in dessen Meer sie sich gerade tummeln. Auch am volksdemokratischen Goldstrand erhalten sie Lektionen über Bulgarien. „Gerade dort“, so wird versichert.

„Lernt Deutschland kennen“, heißt ein Motto des Sommerprogramms. Internationale Jugendlager von Ratzeburg bis Oberammergau sollen Jugendliche aus aller Welt miteinander und mit deutschen Landen bekannt machen. Das andere Motto steht unter dem Zeichen des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Die Gelder, die diese Institution verteilt, kommen auch den Reisenden von „Fahr mit“ zugute. Jugendbegegnungslager in Frankreich, an der Riviera zumeist, werden Sonne bieten, Tanz, Kurse in Französisch, Segelunterricht (Le Lavandou, zwischen 243 und 296 Mark, Vollpension, einschließlich Hin- und Rückfahrt von Deutschland). Im Gegenzug reisen junge Franzosen zur Berliner Mauer.

Für die kommende Silvesterfeier ist eine Mittelmeerkreuzfahrt geplant. Sie soll luxuriöser werden als die letzte, die auf viel Kritik bei den Teilnehmern gestoßen war. Man schwamm billig, aber schlief in großen Räumen und mußte Schlange stehen, das Essen in Empfang zu nehmen. Die jungen Touristen sind anspruchsvoll wie ihre Eltern. Service wird verlangt, man zahlt lieber einen Hunderter mehr. Das gemeinnützige Unternehmen „Fahr mit“, muß schon etwas bieten, um im Rennen um die Gunst der kleinen Touristen nicht abgeschlagen zu werden.

Und hier fragt man sich, ob „Gemeinnützigkeit“ noch notwendig ist, wenn junge Leute (oder deren Eltern) offensichtlich fast jeden Preis zahlen. HvK