Wolfgang Ebert:

Schluß mit der – natürlich zersetzenden! – Kritik an unserer Regierung. Wer sie wegen der Nahost-Krise tadle und gar ihren Rücktritt fordere, der besitze keine nationale Disziplin und sei kein Demokrat – meinte F. J. Strauß neulich. In anderen Ländern scharten sich in der Stunde der Gefahr Volk und Parteien um den Regierungschef – wohl auch dann, wenn er diese Situation selbst heraufbeschworen hat.

Auch der Sprecher der CDU/CSU in der Haushaltsdebatte, Conring, klagte über das Übermaß an Kritik. Daran sei die Weimarer Republik zugrunde gegangen. Sowas geht zu Herzen. Will sich einer vorwerfen lassen, er sei der Nagel zum Sarge des Bonner Staates gewesen? Darum werde ich mich in der Stunde der Gefahr um den Bundeskanzler scharen. Und seine Regierung wird von mir nur noch Gutes hören.

Dies ist mein erster, noch etwas unbeholfener Versuch in dieser Richtung.

Ich gehöre nicht zu den Millionen von Bundesbürgern, die über Erhard dauernd den Kopf schütteln. Kopfschütteln wurde mir vom Arzt streng verboten. Außerdem haben wir alle die Regierungsparteien gewählt – da gibt es jetzt keine Ausreden mehr. Diese Regierung kann beim besten Willen nicht besser sein als sie ist. Ist sie etwa schlechter als ihre Vorgängerin? Na also!

Ich finde unsere Regierung wunderbar! Oft frage ich mich gerührt: Womit haben wir diese Regierung verdient? Und immer, wenn ich an Erhard denke, fällt mir Bismarck ein. Das geht wohl jetzt vielen so. Ich plane bereits ein vergleichendes Buch über die beiden.

Diese Regierung ist erstaunlich! Ich wüßte kaum eine, die ihr gleichkommt. Ich brauche nur das Neueste aus Tansania zu lesen – und schon rufe ich entzückt: „Wie hat das meine Regierung wieder geschafft!“. Ich bewundere diese Regierung. Jeden einzelnen davon. Denke ich an von Hassel und die Atom-Minen, wird mir leichter ums Herz. Dieser mutige Dahlgrün! Welcher Finanzminister wäre mit einem solchen Haushalt vor ein Parlament getreten – und sogar davongekommen? Wer von uns wüßte nicht spätestens seit der Abhöraffäre, was wir an Höcherl haben! Wer möchte einen Lücke und seine schwarzen Kreise, die bis zur Wahl weiß bleiben, missen? Wo gibt es einen Gesundheitsminister wie Frau Schwarzhaupt? Auch Herr Blank ist über jedes Lob erhaben. Dollinger ist ein Schatzminister, wie er sein soll. Mende ist der geborene Minister für Gesamtdeutsches. Die Justiz weiß man bei Bucher in guten Händen. Die Vertriebenen bei Lemmer. Wenn es um besondere Aufgaben geht, sollte man immer auf Krone zurückgreifen. Einen Besseren als Schmücker haben wir nicht.