Wolf Schneider: Das Buch vom Soldaten; Econ Verlag, Düsseldorf; 502 Seiten 24,80 DM.

Ein gebildeter, belesener und nachdenklicher Mann beschäftigt sich mit dem Wesen des Soldatenstandes und legt hier die Ergebnisse vor. Er zerstört manche beschönigende Legende, von Glanz und Ruhm bleibt nicht viel übrig. An Beispielen weist er nach, daß die Beweggründe für das Handeln und Kämpfen der Soldaten sehr oft höchst egoistischer Natur und ebensooft eine Art von Rausch waren. Aber man spürt bald, daß es dem Verfasser nicht darum geht, den Soldaten als einen zweitrangigen Menschen hinzustellen. Das Ziel seiner eindringlichen Bemühung ist es offensichtlich, in den Staatsbürgern die leidenschaftslose Unbefangenheit im Verhältnis zum Soldaten zu erwecken, die dem Wesen unserer Zeit gemäß ist.

Schneider findet harte Worte gegen die mancherorts beliebte Verachtung der Soldaten. Er glaubt allerdings, daß die Zeit der allgemeinen Wehrpflicht vorbei ist – oder doch vorbei sein sollte. Nach seiner Ansicht ist ein Freiwilligenheer den technischen und moralischen Anforderungen eines neuzeitlichen Krieges (seit Korea immer wieder: Kleinkrieges im Dschungel) besser gewachsen als ein Heer von unlustigen Zwangseingezogenen. Schneider nimmt an, daß es möglich sei, genügend Freiwillige zu bekommen, wenn man ihnen verspräche, was jungen Menschen heutzutage den Waffendienst anziehend mache: harte, raffinierte, abenteuerreiche Ausbildung, Schluß mit der bürgerlichen Langeweile. (Die amerikanischen Ledernacken, ein Elitekorps, werden sehr hart ausgebildet; trotzdem – oder deswegen – strömen die Freiwilligen dieser Truppe zu.) Die unglückliche Ehe zwischen Bürger und Uniform würde dann endlich geschieden.

P. G.