Reinhard Höhn: Die vaterlandslosen Gesellen Band I; Westdeutscher Verlag, Köln; 376 Seiten, 45,– DM.

Die Zeit des Sozialistengesetzes von 1878 bis 1890 war die Heldenzeit der deutschen Sozialdemokratie. Bismarck und die Mehrheit des deutschen Bürgertums wollten die Unterdrückung der Partei mit dem Ziel ihrer Vernichtung. Aber gerade unter der Verfolgung und Bedrängung stärkte sie sich und schuf die Grundlagen für den Aufschwung der folgenden Jahrzehnte, in denen sie die stärkste deutsche Partei wurde. Reinhard Höhn hat die Geheimberichte der preußischen Polizei aus dieser Zeit gesammelt und legt sie, nun-, in einem stattlichen Band vor. Eine Einleitung aus seiner Feder verbindet die Urkunden zu einem Gesamtbild der Entwicklung.

Gerade aus den Berichten der Polizei, also der Feindin der Sozialdemokratischen Partei, werden Zähigkeit, Entschlossenheit, Zusammengehörigkeitsgefühl, aber auch Geschick und Einfallsreichtum der Verfolgten lebendig. Im Jahre 1889, also gegen Schluß der Berichtszeit, stellte der Berliner Polizeipräsident resigniert fest, daß die deutsche Sozialdemokratie in Europa unter den gleichartigen Parteien die erste Stelle einnahm, daß sich Bebel und Liebknecht große Autorität erworben hatten, daß die finanziellen Nöte durch die Opferwilligkeit der Mitglieder überwunden wurden und daß die Partei sichtbare Fortschritte machte. Das Sozialistengesetz war gescheitert.

A.E.