Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Ufa nicht wieder auf die Beine. Ihre Studios werden heute von der Universum-Film-Ateliers GmbH geführt, die der Bau- und Immobilienfinanzierungsfirma Becker & Kries in Berlin gehört, Eine Halle dieser Studios ist fest an den Sender Freies Berlin vermietet, der hier Fernseh-Produktionen dreht. Insgesamt seien die Studios zu 50 bis 60 Prozent ausgelastet, heißt es. Und mehr will man nicht sagen.

Berlins Stärke lag immer in der Produktion, wenn auch die Synchronisation hier eine feste Position hat. Im letzten Jahr kamen die meisten deutschen Filme aus Berlin: 26 Stück; 16 Streifen wurden in München und 6 in Hamburg gedreht. Die Kapazität in Berlin ist aber auf eine Jahresproduktion von 50 bis 60 Filmen zugeschnitten, eine Produktionsziffer, die 1964 nicht einmal von der gesamten westdeutschen Filmwirtschaft erreicht wurde. Vom Höhepunkt im Jahre 1956, als 128 Filme abgedreht wurden, bis 1963 hatte sich die Produktion bereits halbiert.

Einen Spielfilm herstellen, heißt ein schwer abschätzbares Risiko übernehmen. Die Frage: Kassenschlager oder Pleite? ist kaum vorher zu beantworten. Deswegen hat man in Berlin das Bürgschaftssystem geschaffen. Bei der Finanzierung von Filmen sollen mindestens 80 Prozent durch Kredite der Geschäftsbanken, Sachleistungskredite, Eigenmittel und Leistungen der Produzenten aufgebracht werden. 20 Prozent können dann aus ERP-Mitteln beigesteuert werden. Die ERP-Kredite kosten nur fünf Prozent Zinsen zuzüglich zwei Prozent Bearbeitungsgebühr der Filmkredit-Treuhand GmbH. Für die jeweiligen Einzelkredite, die von der Bank bis zur Höhe von 65 Prozent der Herstellungskosten gewährt werden, übernimmt das Land Berlin eine Bürgschaft.

Die Geschäftsbanken haben in Berlin am Film bisher gut verdient. Ausfälle sind nicht entstanden. Manchmal mußten sie wohl etwas länger warten, bis das Geld zurückfloß, sie bekamen es aber wieder. Und der Senat von Berlin hat in den letzten fünfzehn Jahren für seine Bürgschaften lediglich 1,3 Millionen Mark eingebüßt,

In einer Zeit, da immer mehr Kinoplätze leer bleiben, da Kinos in Supermärkte und Automatenspielhallen umgebaut werden, wird das Risiko der Spielfilmherstellung jedoch immer größer. Wurden 1956 noch 818 Millionen Besucher in westdeutschen Kinos gezählt, so waren es im letzten Jahr nur noch 340 Millionen. Sie zahlten 610 Millionen Mark in die Kinokassen; 1948 konnten die Theaterbesitzer 1013 Millionen Mark einnehmen – trotz erheblich niedrigerer Eintrittspreise.

Von dem Eintrittsgeld wird die Vergnügungssteuer gezahlt, werden die Verleiher, die die Funktion der Großhändler und Importeure im Filmgeschäft ausüben, bezahlt und last not least die Produzenten und die Stars.

Für den Verleiher ist das Geschäft nicht minder riskant wie für den Produzenten. Der Konkurs der Schorcht Filmgesellschaft mbH in München hat dies wieder einmal ins Bewußtsein gerufen. Eine unglückliche Hand beim Filmeinkauf kann den Ruin bedeuten. "Tonio Kröger" und "Herren-Partie", zwei von Schorcht angebotene Streifen, sind beim Publikum überhaupt nicht angekommen. Beides sind Millionenobjekte. Da hat auch der Film "491" nicht mehr viel retten können. Saldo: 10 Millionen Mark Forderungen.