Will man das Risiko für den einzelnen mindem, so muß man es auf mehr Schultern verteilen. Es bieten sich an: Die Steuerzahler insgesamt durch Staatssubventionen, die Kinobesucher durch zusätzliche Abgaben oder eine Selbsthilfe der Filmwirtschaft. Der Streit darüber, welches Ziel man ansteuern soll, dauert an.

Im Bundestag schmort seit langer Zeit der Entwurf für ein Filmhilfsgesetz, an dessen Verwirklichung schon kaum noch jemand zu denken wagt. Sein Kernstück soll ein Filmwirtschaftsfonds sein, in den die Theaterbesitzer, Verleiher und Produweiten einen Teil ihrer Einnahmen einzahlen. Erst sprach man von fünf, dann vier und jetzt von drei Prozent. Aus diesem Fonds soll der Produzent für einen förderungswürdigen Film 100 000 Mark erhalten; entsprechend seinem Anteil am Einspielergebnis aller geförderten Filme in der Bundesrepublik und im Ausland soll er darüber hinaus einen weiteren Förderungsbeitrag erhalten.

Auf den Urheber dieses Gesetzentwurfs, den CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Berthold Martin, prasselte Kritik von allen Seiten nieder. Die Befürchtung der Kirchen, daß damit nur "Reißer" gefördert würden, konnte beschwichtigt werden; ihnen wurden Stimmen im Verwaltungsrat der Fonds zugesagt. Aber die Filmwirtschaft selbst zerstritt sich – anscheinend hoffnungslos. In Opposition zum Zentralverband der Filmtheater gründeten in München die Bayern, die Berliner und die Theaterbesitzer aus Nordrhein-Westfalen einen Bundesverband Deutscher Filmtheater. Sie opponieren gegen das "Martin-Gesetz" und drohen mit einer Plakataktion, in der Martin beschuldigt werden soll, für eine Erhöhung der Eintrittspreise verantwortlich zu sein, falls sein Entwurf Gesetz wird. 43 Verleiher haben sich gegen den Gesetzentwurf ausgesprochen. "Das sind mehr als die Hälfte der aktiv tätigen Verleiher", sagt der Oppositionsverband.

Inzwischen haben die Berliner Filmtheaterbesitzer einen alten Plan hervorgeholt: die Gründung einer Filmbank. Ihre Aufgabe soll es sein, die "dritte Stelle" in der Filmfinanzierung, den Eigenfinanzierungsanteil des Produzenten, abzusichern. Mit diesem Gedanken hatte man schon einmal vor drei Jahren gespielt. Damals sollte es eine Berliner Filmbank werden. Von Kinobesitzern lagen auch schon Zeichnungserklärungen für das Grundkapital vor. Die Bank sollte Kredite zu drei Prozent Zinsen vergeben. Verglichen mit derzeit zwölf Prozent bei den Geschäftsbanken, so sagt der Geschäftsführer des Verbandes Berliner Filmtheater, Oswald Camman, wäre das eine wirkliche Hilfe für den Produzenten. Und eine Hilfe ohne Vorzensur.

Bei dem Projekt einer Filmbank geht man in Berlin von einem Grundkapital von 12 Millionen Mark aus. Einschließlich revolvierender Mittel und Wechsel könne mit dem dreifachen Betriebskapital, also mit 36 Millionen Mark, gerechnet werden. Wenn alle Beteiligten einen Anteil zeichnen, wenn auch die Fernsehanstalten mitmachen, die ja nicht uninteressiert sein dürften an dem, was sich auf dem Filmmarkt tut, und wenn auch die Bundesregierung nicht abseits bliebe, dann könnte dies ein Schritt auf dem Wege zur Gesundung der deutschen Filmwirtschaft sein. Und zwar ohne direkte Subventionen. In Berlin erinnert man sich daran, daß es von 1931 bis 1945 eine Filmbank gegeben hat, die geschäftsmäßig arbeitete. Dabei sei niemand schlecht gefahren.

Schließlich sei, so sagen die Befürworter dieses Projekts, auch noch das Ufi-Vermögen da, das Vermögen der Holding des gesamten Ufa-Komplexes. Das sind etwa acht bis zehn Millionen Mark. Aber auf diesem Schatz sitzt der Bundesschatzminister.

Während die Diskussion um die Zukunft der Filmstadt Berlin wieder, hohe Wogen schlägt, brütet Artur Brauner, der all den Tumult ausgelöst hat, über neuen Plänen. In Berlin hat man ihn verprellt. "Man hat mir die Flügel beschnitten", klagt er. Seit er hierher kam, hat er dem Land Berlin rund 30 Millionen Mark an Steuern gebracht. Nun wird in seinen Studios an der Havel Ruhe einkehren –, Brauner aber wird weiter Filme machen.