Von Erik Blumenfeld

Die öffentliche Erörterung der Fernsehwerbung ist gekennzeichnet durch eine Fülle von polemischen Diskussionsbeiträgen, von denen jedoch nur wenige sachlich vertretbare Lösungen anbieten. Wie weit die Skala der Mißverständnisse reicht, zeigen die Reaktionen auf den Gesetzentwurf, den meine politischen Freunde und ich gemeinsam mit der FDP dem Deutschen Bundestag vorgelegt haben und der am 17. März in erster Lesung behandelt wird. Da bekomme ich Zuschriften mit dem Kernsatz: "gut, daß der ganze Werbeunsinn bald aufhört wie auch Briefe, in denen ich dringend gebeten werde, "die hübschen kleinen Figuren des Werbefernsehens" doch nicht aus den Programmen zu verjagen.

So selbstverständlich die folgende Feststellung auch sein mag, sie muß nach dem Stadium der Verwirrung, das erreicht ist, wohl noch einmal ausdrücklich ausgesprochen werden: Es ist nicht daran gedacht, mit der jetzt anstehenden Gesetz zesinitiative das Werbefernsehen abzuschaffen. Die absatzfördernde Wirkung dieses Werbeträgers ist für die Konjunktur und damit für die gesamte Volkswirtschaft viel zu bedeutsam, als daß eine Einschränkung der Ausstrahlungen hingenommen werden könnte. Im Gegenteil: die Neuordnung der Verhältnisse, die ja in der Hauptsache das Ziel der Behandlung dieser Fragen durch den Gesetzgeber ist, muß der auf "Hungerration" gesetzten werbenden Wirtschaft, vor allem der mittelständischen, bessere Möglichkeiten in diesem jüngsten Werbeträger geben.

Diese Verbesserung darf jedoch nicht durch Zumutungen gegenüber dem Fernsehzuschauer erreicht werden. Der Fernsehzuschauer soll überhaupt der Gewinner bei dieser Neuordnung werden, Er soll vor Gebührenerhöhungen bewahrt bleiben und gleichzeitig bessere Möglichkeiten der Programmauswahl erhalten.

Kristallisationspunkt weiterer Mißverstände nisse bei Mitbürgern, die gern Hintergrundinformationen lesen, ist die Auffassung, es handele sich bei dem Fernsehgesetzentwurf um ein Gesetz, das für eine Gruppe gegen eine andere Gruppe gemacht werden solle. Die Gestaltung der gesetzlichen Vorschriften und der Ausführungsbestimmungen wird zeigen, daß davon keine Rede sein kann. Ich würde es als günstigstes Ergebnis dieser Gesetzesinitiative ansehen, wenn von dogmatischen Vorstellungen freie, gemeinsame Bemühungen der verschiedenen Gruppen um eine vernünftige Lösung sich ergeben, die sowohl den volkswirtschaftlichen Anforderungen wie dem Zuschauerinteresse gerecht werden.

So gehen auch die Schüsse der Verleger ins Leere, die angeblich aus dem Besitz von Druckmaschinen einen Anspruch auf das Meinungsmonopol ableiten wollen. Es ist durchaus denkbar, daß etwa bei einem privatwirtschaftlichen Programm die tragende Gruppe nicht nur aus Verlegern besteht. Auf jeden Fall aber kann und soll die Neuordnung nicht bewirken, daß aus dem jetzigen Monopol der öffentlich-rechtlichen Anstalten ein privates Monopol wird.

An technischen Lösungen zeichnen sich mehrere ab, neben der überregionalen auch, daß im Band VI eine Reihe von Kanälen zur Verfügung stehen werden; man kann zwar damit jeweils nur einen regional begrenzten Raum erfassen, doch gerade das käme den Erfordernissen vieler kleinerer und mittlerer Firmen mit ortsgebundenen Absatzmöglichkeiten entgegen. Sie wünschen nicht nur seit langem Einschaltpreise, die ihren finanziellen Kräften entsprechen, sondern auch Ausstrahlungsbereiche, die sich mit ihren eng begrenzten Absatzgebieten besser decken. Im Rahmen dieser regionalen Werbefernsehstationen, deren technische Möglichkeiten auch eine Zusammenfassung zu verschiedenen regionalen Ausstrahlungen erlauben würden, könnten sich breite Trägerschaften ergeben, unter denen die regionalen Zeitungsverleger mit ihren Erfahrungen und Einrichtungen für die lokale und regionale Berichterstattung ihren Platz haben sollten.