Der Denkmalskrieg um Freiburgs falschen Stadtgründer

L. F., Freiburg

Die einen reden von „historischer Pflicht“, die anderen von einem „Schildbürgerstreich“. Alle aber meinen Bertold III. Dieser Bertold, längst verblichener Herzog aus dem „Städtegründergeschlecht“ der Zähringer, gilt den Bürgern von Freiburg beinahe so viel wie den Bremern der Roland. Sein ehernes Denkmal – ein Ritter im Harnisch, der einen Brunnen bewachte – zierte bis in eine Bombennacht 1944 akkurat den Mittelpunkt der Stadt. Vierzehn Jahre hielten es die Freiburger ohne Bertold III. aus. Dann verlangten sie ein neues Abbild vom Gründer ihrer Stadt. Und der Krach begann.

Der erste Bertold stand haargenau am Schnittpunkt der beiden Freiburger Hauptstraßen, im Zentrum der Stadt. Er stand mit Schild und Speer auf einer quadratischen Säule inmitten eines achteckigen Brunnenbeckens. So konkurrenzlos beherrschte Bertold samt Brunnen die Szene, daß der ganze Platz bis heute „Bertoldsbrunnen“ heißt. Die Größe des Monuments trug den Freiburgern sogar schon recht früh die Bekanntschaft mit dem Begriff „Verkehrshindernis“ ein: Bereits 1888 mußte das Brunnenbecken auf vier halbkreisförmige Schalen verkleinert werden, und 1937 ersetzte man auch die Schalen durch einen schmalen Brunnentrog. Doch an die Postierung dachte vorerst niemand, als 1958 der Freiburger Internist Professor Dr. Ludwig Heilmeyer ein Kuratorium gründete, dessen einziges Ziel ein neuer Bertold ist. Zunächst ging es nur um die Figur und um das Geld.

Die Finanzierung indessen war rasch gesichert. Als der Gemeinderat auf dringendere Aufgaben verwies, genügte ein Appell des Kuratoriums an das Traditionsbewußtsein der Bürger, und in erstaunlich kurzer Zeit klimperten 110 000 Mark in der Spendenkasse. Schwieriger war es schon, die Frage der Gestaltung zu lösen. Heftigkeit und Dauer der Diskussion wurden der Bedeutung des Projekts vollauf gerecht. Schließlich einigte man sich darauf, daß Bertold fürderhin nicht mehr stehen, sondern auf bronzenem Pferd reiten solle. Der Bildhauer Nikolaus Röslmein konnte mit der Arbeit beginnen.

Er schuf das Werk – 3,20 Meter hoch das Reiterdenkmal, 4,50 Meter hoch der Steinsockel mit angedeuteter Brunnenschale – sehr gemächlich. Somit gab er den Freiburgern Zeit, ihren Denkmalskrieg gründlich zu schüren.

Auf der engen Straßenkreuzung wimmelt großstädtischer Verkehr. Den einstigen Standort des Denkmals nimmt eine schmale Haltestelleninsel ein, auf der die wartenden Straßenbahnfahrgäste ohnehin kaum noch Platz finden. Der Bronzereiter würde dieses Gedränge in ein Chaos verwandeln.