FÜR die, die den Sommer noch nicht verplant haben –

Herbert Schindler: „Barockreisen in Schwaben und Altbayern“; Prestel Verlag, München; 343 S., Abb,. 16,50 DM.

ES ENTHÄLT keine Informationen à la Baedeker, sondern die Betrachtungen und Erinnerungen eines leidenschaftlichen Barockreisenden; zwar mußte manches Erwähnenswerte unerwähnt bleiben (daß Ettal, Weingarten und vor allem Steinhausen fehlen, wird den Autor ebenso sehr schmerzen wie den Leser), aber die Kapitel über Johann Michael Fischers Ottobeuren, über Diessen, Schongau, über Maria Birnbaum, Wasserburg, Rott am Inn, die Asam-Werke Rohr, Weltenburg und Osterhofen, diese Kapitel beweisen, was der Verfasser in seinem Vorwort erwähnt: daß dieses 18. Jahrhundert in Bayern ein Ereignis der europäischen Kunstgeschichte ist.

ES GEFÄLLT, weil es in dem, der den süddeutschen Barock noch nicht kennt, Neugier, und in dem, der ihn schon erlebt hat, sehnsüchtige Erinnerungen weckt. Eine grandiose Schau, halb Gottesdienst und halb Theater, rollt hier in dem knappen Jahrhundert zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und der Auflösung des Reiches ab, ein architektonischer Rausch, der in Deutschland ohne Beispiel ist und der die Brüder Asam, Dominikus Zimmermann, Peter Thumb, Johann Michael Fischer und viele andere zu Leistungen emporriß, die ohne Beispiel sind. P. K.