Was treibt der Intellektuelle an langen Feierabenden? Vorausgesetzt, daß es das biedermeierliche Phänomen eines langen Feierabends überhaupt noch gibt: Er arbeitet. Ob er nämlich Gisela Eisners „Riesenzwerge“ mit ins Bett nimmt, in einer Bar mit seinesgleichen plaudert, ein Nachtstudio hört oder Ionescos „Nashörner“ betrachtet – all das wird ihm zur Anstrengung des Begriffs. Muße und Spiel hält er für Kategorien eines frühen, naiven, luxuriösen Bewußtseins. Man denke sich einen Intellektuellen, der abends mit seiner Familie „Monopoly“ spielt oder im Gasthaus beim Skat sitzt! Eine absurde Vorstellung. Zwar ergötzen sich Intellektuelle an dialektischen Rösselsprüngen oder geben talmudisch gewürzte Witze zum Besten; aber das nur en passant und mit dem Lächeln von Brandstiftern, nicht demjenigen spielender Kinder.

Nun gibt es zweifellos einige unter ihnen, die hin und wieder Freude an einer Partie Schach finden oder an jenem nicht minder geistreichen japanischen Brettspiel „Go“. Aber handelt es sich da wirklich um Intellektuelle? Und von welcher Sorte sind jene, die „Management“, „Gettysburg“ oder gar das Invasionsspiel „D-Day“ spielen, neumodische Spiele wirtschaftlicher und strategischer, ja militärischer Art? Darf man jemanden intellektuell nennen, der sich mit dergleichen abgibt?

Leider ist nichts so bunt wie die spezies der Intellektuellen, so daß man versucht ist, sich in die Definition zu retten, Intellektuelle seien solche, die sich dafür halten. Aber das ist womöglich doch zu allgemein. Immer noch überzeugender, wenn auch strenger, klingt die Behauptung, Intellektuelle seien Leute mit etwas verkümmertem Spieltrieb. Damit wird niemand verunglimpft, denn es ist ja durchaus möglich, daß dieses Gebrechen auf einen Mangel an geeigneten Spielen zurückzuführen ist.

Wie dem auch sei – jetzt gibt es mindestens drei Spiele, die auch den notorischsten Intellektuellen anlocken dürften und die ihm einen Genuß ohne Reue über vergeudete Zeit versprechen. Eines davon stammt aus Deutschland, die beiden anderen aus den USA, wo man ja neuerdings seine „Eierköpfe“ hätschelt. Die zwei amerikanischen Spiele sind typische Produkte eines zupackenden angelsächsischen Denkens und in Idee und Aufbau völlig neuartig.

Das eine dieser Spiele heißt

„WFF ‘N PROOF“ – The Game of Modern Logic, by Layman E. Allen; Science Research Associates, Inc., Chicago (oder durch: Inadcon Limited; Writers of Programmed Instructions; 104/5 Salisbury House; London, E. C. 2., um 36 Mark.

Allein, diese ldee, moderne Logik und Spiel zu verbinden, setzt den Europäer in Erstaunen. „WFF ‘N PROOF“ wurde von Layman E. Allen, einem Assistant Professor an der Yale Law School in New Haven unter Mitarbeit zahlreicher Fachgelehrter und Studenten entwickelt. Das Spiel stellt eine Einführung und spielerische Einübung in jenen Bereich der formalen Logik dar, den man Aussagen-Kalkül nennt.