Robert F. Kennedy: Gangster drängen zur Macht. Vorwort von Herbert von Borch; Scherz Verlag, München; 263 Seiten, 16,80 DM.

Jim Hoffa sitzt zur Zeit eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren ab, Bob Kennedy ist Senator von New York.

1956 war Jim Hoffa, ein unauffälliger, schweigsamer Mann, der ein Haus in einem anspruchslosen Viertel Detroits bewohnte, Boß der Teamster von Detroit und Vizepräsident dieser mächtigen Gewerkschaft, also Herr über rund 50 Millionen Dollar Gewerkschaftsvermögen, Herr über 1,3 Millionen Wählerstimmen – nach dem ins demokratische Jahrhundert übertragenen Grundsatz cuius regio huius religio – und Herr über das schamlose Bündnis der Gewerkschaft mit den Gangstern, doch dies war noch nirgends aktenkundig, wenn auch durchaus wirksam.

Jim Hoffa hatte zweiundzwanzig Verhaftungen und sieben Prozesse überstanden, ohne daß ihm auch nur ein Haar gekrümmt worden wäre, ein Vierziger dunkler Herkunft, der mit einem Streikbeschluß fast das gesamte Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten zwischen West- und Ostküste hätte lahmlegen können. Die Anklagen lauteten auf aktive und passive Bestechung, Körperverletzung, Anzapfung von Telephonkabeln, Mißbrauch von zwanzig Millionen Dollar aus dem Pensionsfond der Gewerkschaft – aber Jim Hoffa blieb, was er gewesen war.

Als Bob Kennedy, der dreißigjährige Millionärssohn, dessen Bruder John ein unbekannter Senator war, die Witterung Jim Hoffas aufnahm, war er parlamentarischer Anwalt in dem von Senator McClellan geführten Untersuchungsausschuß für „Unzulässige Tätigkeiten auf Gebieten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber“, dessen institutionelle Grundlage auf das Jahr 1792 zurückgeht: damals nahm sich das Repräsentantenhaus, also die Legislative, das Recht, eine mißglückte Expedition zu untersuchen, die von einem General St. Clair gegen die Indianer geführt worden war.

Dieses seitdem unbestrittene Recht zur Untersuchung wurde damit begründet, daß der Kongreß das Geld für die Truppen aufbringen müsse, also auch zur Kontrolle des Verhaltens der Truppe berechtigt sein müsse. Es erlaubt auch heute dem Senat, Untersuchungen anzusetzen, jede Person unter Strafandrohung vorzuladen und alles notwendige Beweismaterial zu beschlagnahmen. Daß auch dieses Instrument demokratischer Selbstkontrolle gelegentlich mißbraucht worden ist, zeigt übrigens das Beispiel des von Senator McCarthy geleiteten Ausschusses, dem Robert Kennedy nur kurze Zeit angehörte; er distanzierte sich dann unter Protest von ihm.

Auf das Investigationsrecht also, ein fundamentales Recht des Parlamentes, gründete sich die Tätigkeit des parlamentarischen Anwaltes Bob Kennedy, der sehr bald auf die Spuren Jim Hoffas stieß. So ergab sich die klassische Konstellation, Recht gegen Gewalt, und erst als die deutsche Übersetzung dieses Buches erschien, konnte Herbert von Borch in einer Fußnote seines instruktiven Vorwortes mitteilen, daß Jim Hoffa im Gefängnis sitze, daß also das Recht diesmal gesiegt habe.