Von Adolf Metzner

Stimmt es wirklich, wurde ich gefragt, daß der Fußballtrainer Merkel ein Monatsgehalt von 11 000 Mark erhält? Ob es 11 000 oder 10 000 sind, ist nicht ganz sicher. Sicher aber ist, daß der Österreicher Max Merkel für seine Fähigkeit mit Hilfe eines Trupps von Fußballangestellten des Turnsportvereins 1860 München erfolgreiche Jagd auf Bundesligapunkte macht, auf alle Fälle mehr Geld bekommt als der deutsche Bundeskanzler. Ihm werden nur 8156 Mark aus der Staatskasse pro Monat gezahlt.

Gewiß, Professor Ludwig Erhard bekommt auch Repräsentationsgelder, aber auch Herr Merkel erhält, wenn er den Europa-Pokal mit seinen Mannen erringt und dazu vielleicht noch die Deutsche Meisterschaft, eine Prämiensumme, die nach Vertragsspielererfahrung sechsstellig sein dürfte. Wurde doch seinem Landsmann Frühwirt damals schon von Schalke 04 ein Scheck über 90 000 Mark für die Meisterschaft überreicht.

Aber Merkels Gehalt nimmt sich fast lumpig aus (die österreichischen Trainer scheinen noch geschäftstüchtiger als die deutschen) gegen jenes des Signor Helenio Herrera‚ der Inter Milano das „Mauern“ beigebracht hat, das heißt jene erfolgreiche Defensivtaktik, die heute zum Verdruß der Zuschauer als Trainerweisheit letzter Schluß auf den europäischen Fußballfeldern praktiziert wird.

Der Spanier bekommt im Jahr umgerechnet 300 000 Mark auf den Tisch geblättert. Sein schmückendes Beiwort lautet deshalb auch „der höchstbezahlte Trainer der Welt“. Da mir aber im Augenblick die Gehälter der amerikanischen Baseball-Coaches nicht geläufig sind, möchte ich mit der Verleihung jenes „epitheton ornans“ doch vorsichtig sein. Will man nun dieses Spitzengehalt aus der Welt des Scheins mit jenen des realen Lebens vergleichen, muß man schon von den Politikern und Staatsmännern zu den Wirtschaftsbossen hinüberwechseln und VW-Chef Nordhoff bemühen, dessen Truppe an Zahl über tausendmal größer ist als jene des charmanten Österreichers in München.

Herr Merkel – das muß betont werden – ist allerdings ein einsamer Spitzenreiter im Rennen um die Honorierung der unsterblichen Verdienste der bundesdeutschen Fußballtrainer. Aber im Durchschnitt bekommen diese Herren immerhin 4000 Mark pro Monat, das heißt, sie verdienen mehr als ein deutscher Universitätsprofessor.

Welche Ausbildung besitzen nun diese Großverdiener? Nur zwei von den sechzehn Bundesligatrainern haben an der alten deutschen Hochschule für Leibesübungen, die Carl Diem nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin gründete und leitete, ihre Semester absolviert: Paul Oswald von der Frankfurter „Eintracht“ und Georg Knöpfle vom 1. FC Köln, dem „amtierenden“ Meister.