In Berlin, im alten Grunewald-Stadion – auf der DHfL (so sinnige Abkürzungen waren schon damals Mode) – lernten die beiden mehr als nur kicken. Knöpfle brauchte man das Fußballspielen allerdings nicht mehr beizubringen, er war früher bei der Spielvereinigung Fürth ein glänzender Spieler gewesen, der mehr als einmal als Außenläufer in der Nationalmannschaft stand. "Internationaler", hieß das damals. Auf der Hochschule, die 1933 in "Reichsakademie für Leibesübungen" umgetauft wurde, lernte man nicht nur Methodik, Didaktik und Geschichte der Leibesübungen, sondern auch Anatomie und Physiologie. Diem konnte hierfür als Dozenten die berühmten Ordinarien der Berliner Universität gewinner., wie ja auch kein Geringerer als der große Chirurg Geheimrat Bier Rektor der DHfL war. Auch Herberger hat dort studiert und sein Examen mit der August-Bier-Plakette, das heißt mit Auszeichnung, bestanden.

Nur zwei der sechzehn Bundesligatrainer haben also das Sportlehrerdiplom, das heute die Olympioniken Holdorf und Hetz an der Deutschen Sporthochschule erwerben. Dort, in Köln, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auch ein einjähriges Studium für Fußballer eingerichtet. Diesen Kursus absolvierten Johannsen (Eintracht, Braunschweig), Fritz Langner (Schalke 04), Georg Gawliczek (Hamburger SV) und Helmut Kronsbein (Hannover 96), alle übrigen – zehn an der Zahl – haben lediglich Kurzlehrgänge des Deutschen Fußballbundes besucht. Mit dieser "Ausbildung" kassieren, sie heute Ministergehälter.

Die Trainer bekommen im allgemeinen die gleichen Bezüge wie einige, wenige Spitzenspieler. Ein Uwe Seeler dessen Karriere jetzt so früh durch seine schwere Verletzung unterbrochen wurde, erhält – und das auch nur inoffiziell – 4000 Mark. Seeler lockt aber, was man nachweisen kann, 10 000 bis 20 000 Menschen pro Spiel in die Arena, das heißt, er spielt seinem Verein für die 4000 Mark mindestens das Zehnfache wieder an Eintrittsgeldern ein. Ob am Ende der Bundesligasaison, wenn der HSV, vom Verletzungspech verfolgt (ohne Schuld des Trainers), in der unteren Hälfte der Tabelle steht, die Anhänger des Hamburger Sportvereins der Meinung sind, daß der Trainer Gawliczek seine 4000 Mark wert war, bleibt dahingestellt.

Der tatsächliche Marktwert eines Trainers läßt sich natürlich nie exakt bestimmen. Was sein Verdienst ist, und was Verdienst der Spieler, die ja schließlich Tore schießen und verhüten müßen, wer will das entscheiden?

Man liest immer wieder, ohne einen Sepp Herberger wären die Deutschen in Bern 1954 nie Weltmeister geworden. Wahrscheinlich stimmt das, aber man kann ebensogut behaupten, ohne einen Fritz Walter, Helmut Rahn oder Werner Liebrich hätte die deutsche Mannschaft niemals gesiegt. Ohne Klassespieler kann auch der beste Trainer keine Lorbeeren ernten. Seine Möglichkeiten liegen neben der Talentsuche beim "Einkauf" vor allem eher auf dem Gebiet der psychologischen Führung und auf jenem der erfolgreichen Taktik; Technik braucht er Bundesligaspielern nicht mehr beizubringen. Aber auf dem Fußball-Feldherrnhügel kann er tatsächlich noch Schlachten entscheiden.

Meist sitzt der Feldherr aber harrend und bangend am Rand des Spielfeldes, auf dem alles ganz anders läuft, als er es geplant hat. Nur in der Pause kann er seinen Mannen die von den Reportern immer wieder zitierte Standpauke halten. Aber die wirklich guten Trainer halten gar keine Standpauken. Als ich einmal bei einem Länderspiel bei Herberger in der Mannschaftskabine war, wunderte ich mich über die Ruhe und Gelassenheit, die dort herrschte. Ein paar kurze Anweisungen – sonst nichts.

Die Ära des Fußball-Maginot-Komplexes läßt der taktischen Phantasie aber kaum noch Raum. Die meisten Bundesliga-Fußballtrainer verstehen auch vom eigentlichen Training, zum Beispiel den physiologischen Grundlagen des Intervall- und modernen Ausdauertrainings, herzlich wenig. Deshalb ist ihr sogenanntes Konditionstraining oft noch eine Farce. Jeder kleine Übungsleiter einer Leichtathletikabteilung, der ehrenamtlich seine Schützlinge betreut, weiß da besser Bescheid, als die meisten dieser Großverdiener.