Mit dem Licht des Glühwürmchens sollen Lebewesen in der Hochatmosphäre aufgespürt werden.

Nur wenn Klarheit darüber besteht, in welchem Umfang sich Mikroorganismen in den äußeren Lufthüllen der Erde befinden, können Maßnahmen getroffen werden, Raumsonden in keimfreiem Zustand auf benachbarte Planeten zu bringen. Dies ist erforderlich, wenn man nicht eine Verseuchung der Himmelskörper mit irdischen Lebenskeimen riskieren will, wodurch die Ergebnisse planetarischer Exkursionen von vornherein verfälscht werden.

Das Instrument, mit dem die amerikanische Raumfahrtbehörde prüfen wird, in welchem Ausmaß die oberen atmosphärischen Schichten von Mikroorganismen bevölkert sind, heißt „Firefly“ (Glühwürmchen). Obwohl der Apparat äußerlich nicht gerade an das winzige Insekt erinnert – er ist fast ein Pfund schwer und so groß wie ein Fußball –, trägt er seinen Namen zurecht. Denn der Detektorteil des Gerätes besteht aus chemischen Stoffen, mit denen das Glühvürmchen sein Licht erzeugt: Luciferin, Luciferase und Sauerstoff. Ein Bestandteil des Glühwürmchen-Leuchtstoffs fehlt allerdings, ATP (Adenosintriphosphat), ein für alle irdischen Organismen lebenswichtiger Stoff. Und darin legt der Trick.

Sobald nämlich das Instrument auf seinem Flug ein Lebewesen einfängt, wird durch dessen ATP die Detektorsubstanz vervollständigt, und wie beim Glühwürmchen wird bei der sofort einsetzenden chemiscnen Reaktion Energie in Form von Licht frei. Der Stoff leuchtet kurz auf. Dieser schwache Lichtblitz wird elektronisch verstärkt, in ein Radiosignal umgewandelt und zur Erde gefunkt.

Das Firefly-Modell, das gegenwärtig im Goddard Raumflugzentrum geprüft wird, vermag auf diese Weise ein Milliardstel Gramm ATP zu registrieren Wenn das Instrument flugfertig ist – es soll zunächst mit einem Ballon in 150 Kilometer Höhe gebracht werden – wird es so empfindlich sein, daß es schon eine einzige lebende Zelle entdecken kann. ow