Von Hans Gresmann

In einer Kraftfahrzeugwerkstatt in Tripolis arbeiten fünfzehn Deutsche. Es ist eine ungewöhnliche Werkstatt, und es sind ungewöhnliche Deutsche.

In diesen Arbeitshallen wird der Wagenpark der libyschen Regierung instandgehalten, überholt, repariert. Dreihundert einheimische Arbeiter versuchen sich an den Autos. So gut ihr Wille ist, so schlecht sind zumeist ihre Fachkenntnisse.

Fünfzehn deutsche „Twens“, 21 Jahre der jüngste und 29 Jahre der älteste, helfen mit – aber nicht als Aufseher oder Vorgesetzte. Sie haben keinen besonderen Status, sie machen sich die Hände schmutzig, sie unterweisen durch ihre Arbeit. Alle fünfzehn sind Fachleute: Autoschlosser, Automechaniker, Monteure, Elektriker. Aber sie sind hier nicht als hochbezahlte ausländische Experten engagiert, ihr Salär ist gering. Sie sind Freiwillige.

Im September des letzten Jahres wurden sie von jener Institution nach Tripolis geschickt, die dem amerikanischen Peace Corps nachgebildet wurde und die sich mit schöner Umständlichkeit „Deutscher Entwicklungsdienst GmbH“ nennt.

Dieser Entwicklungsdienst war nicht als Instrument der Bonner Politik gedacht, sondern als Instrument einer selbstlosen Hilfe, an die sich keine politischen Bedingungen knüpften. Diese Absicht indes, so wird nun deutlich, läßt sich mit den Gesetzen der politischen Wirklichkeit nur schwer in Einklang bringen.

Denn eine der Grundbedingungen dieser freiwilligen Auslandsarbeit, der „Schutz von Leib und Leben“, scheint jedenfalls in einigen Staaten gegenwärtig nicht mehr so recht gewährleistet zu sein. Zwar haben die Entwicklungshelfer in Tansania, wo sie sich in Dar-es-Salam an der Slum-Sanierung beteiligten, soeben die Arbeit wieder aufgenommen. Die Pause der Nervosität und Unsicherheit, die seit dem – zunächst einmal wieder abgekühlten – Flirt Tansanias mit der DDR entstanden war, ist beendet, die „Germans-go-home“-Stimmung abgeklungen. Was aber blieb, ist Verwirrung und Enttäuschung bei manchen der über zwanzig Helfer in Dar-es-Salam.