DIE ZEIT

Pokerspiel in Nahost

Seit mehr als acht Jahren schob man im Palais Schaumburg die Frage der Anerkennung Israels vor sich her, bis Erhard sie nun so überraschend entschieden hat.

Strich unter die Vergangenheit?

Mit diesem ungewöhnlichen Zitat – es ist das Wort eines jüdischen Mystikers aus dem 18. Jahrhundert – schloß der CDU-Abgeordnete Benda seine Rede in der Verjährungsdebatte des Bundestages.

Die belasteten Richter

Gibt es wirklich nur noch ein paar Richter unter uns, die in der Nazizeit „exzessive Todesurteile“ gefällt haben? Im Bundesjustizministerium glaubt man das.

Kopfschütteln in London

Nach dem Kreuzverhör, dem Harold Wilson im Unterhaus unterzogen wurde, ist kaum noch zu bezweifeln, daß es ihm bei seinen Bonner Gesprächen nicht gelang, von Bundeskanzler Erhard zu irgendeiner wichtigen Frage das letzte Wort zu hören; nicht einmal das vorletzte oder vorvorletzte.

Tschombés Triumph

Zum erstenmal seit seiner Rückkehr aus spanischem Exil in den vom Bürgerkrieg erschütterten Kongo, hat der stets lächelnde Ministerpräsident Moise Tschombé allen Grund, zufrieden zu sein.

Kärrner der Gerechtigkeit

Das Zimmer liegt im siebenten Stockwerk des Abgeordneten-Hochhauses zu Bonn am Rhein. Es ist nüchtern, sachlich, eines von hundert Zimmern in diesem Parlamentariersilo.

Zeitspiegel

Vergeblich suchen die Chinesen in Neu-Delhi seit drei Jahren Arbeiter, um ihr neues Botschaftsgebäude fertigzustellen. Nach dem chinesischen Angriff auf die indische Himalaja-Grenze verließen die Maurer das halbfertige Gebäude und kamen nie wieder.

Mal geliebt, mal getadelt

Ein ehemaliger deutscher Diplomat antwortet auf die Thesen des Amerikaners Joseph Kraft

Alter Mann mit alten Illusionen

Der erste Eindruck: Er ist alt geworden. Das schmale Arbeitergesicht unter dem weißen Haar wirkte kleiner, als man es in Erinnerung hat.

Bomben allein genügen nicht mehr

Die Welt ist gegenwärtig Zeuge eines spannenden militärischen Experiments: Die größte Luft- und Seemacht, die USA, versucht einen störrischen kleinen asiatischen Staat, Nordvietnam, durch Bombenkrieg zur Einsicht zu bringen.

Springer an der Front

Auch für die Fernsehwerbung ist Berlin eine Insel. Das bedeutet nach Ansicht der Zeitungsverleger, daß der Wirkungsbereich des Werbefernsehens des Senders Freies Berlin (SFB) genauso begrenzt ist wie die Werbekraft der Berliner Tageszeitungen.

Dienst ist Dienst, Schnaps ist Whisky

Er ist einer der 51 000 Männer der in der Bundesrepublik stationierten Britischen Rhein-Armee und „Mitverbraucher“ der beiläufig 85 Millionen Pfund, die von den Steuerzahlern diesseits und jenseits des Kanals für diese Truppe aufgebracht werden müssen.

Der Fall Mihajlo Mihajlov

In Jugoslawien steht ein politischer Prozeß vor der Tür, bei dem die Partei Titos allein in den Augen Moskaus gewinnen kann.

Wolfgang Ebert:: Schön in der Tinte

An: Johnson Chef bin gegenwärtig ich. Leider ohne die Macht, die ein demokratischer Präsident besitzt. Sie wissen genau, daß wir diese Demonstrationen veranstalten mußten.

Namen der Woche

Franz Lucas, ehemaliger Lagerarzt in Auschwitz, von mehreren Zeugen als human und hilfsbereit geschildert, von Mitangeklagten schwer belastet, gab jetzt zu, zeitweise jüdische Häftlinge selektiert zu haben.

Arndt: Die Sprache der potentiellen Mörder

Adolf Arndt (SPD): Es ist hier so etwas leichthin gesagt worden, das alles kehre doch nicht wieder. Niemand kann in der Geschichte für irgendein Volk die Hand ins Feuer legen, daß Massaker nicht wieder vorkommen.

„Der Neger ist der Held des Kampfes“

„Der wahre Held dieses Kampfes ist der amerikanische Neger“, rief Präsident Lyndon Johnson am Montag vor dem Kongreß aus. „Seine Aktionen und Proteste, sein Mut, Sicherheit und Leben zu riskieren, haben das Gewissen der Nation wachgerüttelt.

Zypern – brodelnder Vulkan

Der Streit um Zypern, seit sechs Monaten fast vergessen, ist am Wochenende wieder aufgelebt: Griechen und Türken lieferten sich im Nordwesten der Insel längere Feuergefechte; die türkische Luftwaffe wurde in Alarmzustand versetzt.

Kein Erdrutsch

Argentinien: Im neuen Parlament verfügt die volksradikale Partei Präsident Illias über die meisten Sitze (75 von 192). Illia kann jedoch nur mit Hilfe von Splitterparteien regieren.

Nahostkrise: Schlußbilanz

Die Folgen der Nahostkrise für die Bundesrepublik sind noch nicht abzusehen. Als einziger Erfolg für Bonn steht fest, daß Israel grundsätzlich zu vollen diplomatischen Beziehungen mit Bonn bereit ist, freilich zu etlichen Bedingungen.

Von ZEIT zu ZEIT

Das Kabinett und die Knesseth Israels stimmten dem Bonner Angebot zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu. Zum zweiten Male reiste der CDU-Bundestagsabgeord- nete Dr.

Sukarno kam nicht

Seit Wochen schwirren in Südostasien Gerüchte über Friedensverhandlungen zwischen Malaysia und Indonesien. Angeblich, hatte der mahysische Premierminister Tunku Abdul Rahman seine Flugreise nach Bangkok, der Hauptstadt Thailands, schon gebucht.

Die Eskalation in Vietnam

Es war ein langer Weg von der kaum beachteten Ankunft einer kleinen amerikanischen Militärmission in Saigon im Jahre 1955 bis zum aktiven Eingreifen amerikanischer Streitkräfte in den vietnamesischen Bürgerkrieg.

Friedenskorps sucht Freiwillige

In diesen Arbeitshallen wird der Wagenpark der libyschen Regierung instandgehalten, überholt, repariert. Dreihundert einheimische Arbeiter versuchen sich an den Autos.

Amerika und die Wiedervereinigung Deutschlands

Die westliche Politik in Europa sollte – dies wurde in der letzten Ausgabe dargestellt – auf drei Voraussetzungen beruhen: Die militärische Stärke des Westens muß aufrechterhalten werden, Osteuropa und Rußland müssen gleichermaßen in jede dauerhafte Lösung einbezogen, und das Problem der Wiedervereinigung Deutschlands muß mit evolutionären Veränderungen im Osten verknüpft werden.

Schlappe für die Gaullisten

Der Ansturm der Gaullisten auf die französischen Rathäuser ist, wie erwartet, mißglückt. Schon der erste Wahlgang der Gemeindewahlen endete mit einem eindeutigen Sieg der alten Bürgermeister und der Provinznotabein.

Rückzug der Kirche?

Imposant wie vordem wird sich auch der 12. Evangelische Kirchentag darstellen, der vom 28. Juli bis zum 1. August unter dem Motto „In der Freiheit bestehen“ in Köln stattfindet.

Patentrezept eines Fußgängers

Der Initiator der „Schutzgemeinschaft Straßenverkehr“, der Ministerialrat a. D. Dr. Walter Kühn, ist leidenschaftlicher Fußgänger.

Ein Professor muß gehen

Der ärztliche Direktor des Hafenkrankenhauses der Freien und Hansestadt Hamburg, Professor Dr. Gerhard Küntscher ist ein weithin geachteter Mann.

Was Mister Hilton kann...

14 000 der 23 000 Studenten an den vier Westberliner Hochschulen sind auf den freien Wohnungsmarkt angewiesen. 60 Prozent der Westberliner Studenten kommen aus der Bundesrepublik und aus dem Ausland.

Ein Böllerschuß

Für so manchen biederen Bürger der kleinen Stadt Neustadt in Holstein ist Heinrich Böll plötzlich zum schwarzen Schaf der deutschen Literatur geworden, jedenfalls erklärte ihn der ehemalige CDU-Landrat des Holsteiner Kreises Oldenburg, Rohwedder, zum „anarchistischen Schriftsteller“.

Ein Fleck der Schande

Seinen Namen meldet kein Lied. Allein der § 361 f des Strafgesetzbuches erwähnt ihn, nennt ihn einen „schuldhaft Obdachlosen“ und droht mit Haft.

Der Fall Bilfinger

Hat nach Rheinland-Pfalz nun auch das Land Baden-Württemberg seinen „Fall Drach“? Fast scheint es so, nachdem vor wenigen Tagen das Präsidiumsmitglied der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN), Max Oppenheimer, auf einer Veranstaltung seiner Organisation mit umfangreichem Belastungsmaterial gegen den Stuttgarter Oberverwaltungsgerichtsrat Dr.

Trutzburg der Kunstmoral

Drei Dutzend Frühaufsteher standen am Sonntagmorgen fröstelnd vor dem Celler Schloß und diskutierten – erregt teils, teils amüsiert – einen Anschlag am verschlossenen Hauptportal.

Der „Verrat“ an der Saar

Der Saarbrücker Landtag hat mit Zustimmung der sozialdemokratischen Opposition eine Änderung des Artikels 27 der Landesverfassung beschlossen, die es ermöglicht, von nun an auch im Saarland christliche Gemeinschaftsschulen einzurichten.

Film

„Mordrezepte der Barbouzes“ (Frankreich; Verleih: Interfilm): Georges Lautner hat viele schlechte Filme gemacht, diese Kriminalkomödie ist nicht.

Funk: Die Tauben

Die Psyche eines in Beruf und Ehe Gescheiterten, der zum Selbstmord als äußerster Bestätigung seiner illusionären Freiheit entschlossen ist, durchleuchtet Hermann Moers.

Fernsehen: Kedell aus Estland, Kant aus Bayern

Ich bedauere es sehr, daß es noch keine Fernseh-Akademie gibt, die diesen hohen Namen verdient; es ist ein Jammer, daß die Rundfunkschulen, einst mit so viel Enthusiasmus begründet, dahinvegetieren.

Theater

Hildegard Knef zieht durch die Lande, mit dem Erstlingsstück eines heute vierunddreißigjährigen Amerikaners. Eigentlich sind es zwei Einakter: „Unabhängigkeitstag“ (der seine deutsche Premiere in der „Werkstatt“ des Berliner Schillertheaters hatte) und „Mrs.

Artur Rubinstein

Vergegenwärtigt man sich die ungeheuren Zumutungen des Virtuosendaseins: die Gefahr der Verkrampfung, Erstarrung, Verfestigung, Schwächung, routinierter Wiederholung, dann ist das Spiel des 1889 geborenen, auch im achten Jahrzehnt seines Lebens unaufhörlich konzertierenden Artur Rubinstein ein Wunder.

Große Pianisten

Der Raum ist beschränkt, und das kulturelle Leben ist weit – weiter, als Pessimisten es wahrhaben wollen. Damit sich nicht allzu hart im Räume die Sachen stoßen, verlagern wir immer einmal wieder das Gewicht.

Kampf der Alten gegen die Jungen

Der zweite Russische Schriftstellerkongreß, der am Sonntag, dem 7. März, nach fünftägiger Dauer in Moskau zu Ende ging, stellt das erste offizielle kulturpolitische Ereignis nach Chruschtschows Sturz dar und verleitet damit geradezu zu übereilten Trugschlüssen.

Unsere Sprache: Beziehungsweise

Die Vor- beziehungsweise Nachteile mancher Schreibe beziehungsweise Rede sind einbeziehungsweise vielfältig. Denn wer, wie immer auch, vor- beziehungsweise angibt, hat, so meint er beziehungsweise ahnt er nur, mehr vom Leben.

Zeitmosaik

Shakespeare, wie er es selber gemacht hätte: so lautet die Eigeninterpretation von Orson Welles für seinen neuesten Film „Chimes at midnight“, dessen letzte Szenen gerade gedreht werden und der voraussichtlich im Mai in Cannes gezeigt werden wird.

Strukturen für Familie X

Daß das große Konzertpublikum der neuen und neuesten Musik mit Reserviertheit begegnet, ist nicht neu. Daß trotzdem in den größeren Städten sich für Matineen und Konzertabende mit ausschließlich neuer Musik genügend interessierte Hörer finden, beweist die Praxis, in München wie in Hamburg, in Köln wie in Berlin.

Deutscher Roman, von Paris aus gesehen

Wir haben viele deutsche Romane über den Krieg und die Niederlage gelesen. Wir haben nicht einen gesehen, der uns ein verständliches Bild Deutschlands unter dem Hitlerregime gegeben hätte, der uns den Alltag, die Straßen, die Cafés, die deutschen Familien gezeigt hätte, und der uns in das Bewußtsein der Menschen dieser Epoche hätte eindringen lassen.

Heute vor 20 Jahren:: Film-Flucht aus Berlin

Einem Manne wie mir, einem Asphaltliteraten, vom Berliner Asphalt fortzuhelfen, war riskant. Und das Risiko, das jener „Jemand“ eingegangen ist, wird erst mit dem Krieg vorüber sein.

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