Von Horst Künnemann

Unverdrossen marschiert das Sachbuch, und das auf breiter Front und mit nachhaltigem Erfolg auch für junge Leser. Die sogenannte "Belletristik" ist – nach dem Urteil vieler Sortimenter und Bibliothekare – in die Defensive, mancherorts sogar schlicht an die Wand gedrückt worden. Das Zeitalter ist vom Stoff- und Informationshunger befallen; die Sachliteratur aller Spielarten kann ihn temporär sättigen.

Sie kann im Jugendliterarischen größere Unternehmen und Experimente riskieren, wie zum Beispiel die große historische Reihe im Ensslin & Laiblin-Verlag, Reutlingen. Sie erscheint simultan in sieben Ländern der Alten und Neuen Welt in einer Erstauflage von 125 000 Exemplaren, wird von Mondadori in Verona gedruckt und bietet zumeist gut reproduzierte Bildmassen, die sich bei rechtem Gebrauch und in Verbindung mit dem Text, bei jungen Lesern ab 13 Jahren in das umsetzen lassen, was bei uns schlicht mit "Bildung" bezeichnet wird.

In den Vorjahren erschienen von J. Williams/H. Pleticha: "Das große Buch der Kreuzritter" und R. A. Andrist/ H. Pleticha: "Das große Buch der Polarforscher". Vier weitere Bände erwiesen jetzt, daß die Reihe sich durchzusetzen beginnt:

Ch. Mercier / H. Pleticha: "Alexander der Große"; 153 S., 118 Abb., davon 57 mehrfarbig, 4 Karten, 16,80 DM.

Durch die geschichtlichen Lehrbücher bislang eher im Raum der sagenhaften Uberlieferung verhaftet, rückt die Gestalt des großen Mazedonen dem jungen Leser durch eine Fülle abgebildeter Kunstwerke in den Bereich des Verständlichen, historisch Begreifbaren. Die Faszination eines Machtmenschen wird dadurch noch faßbarer, daß auch die menschlichen Schwächen – Maßlosigkeit, Brutalität und Trunksucht – nicht verschwiegen werden.

Ein weiterer, interessanter Band der Reihe ist H. Moscow / H. Pleticha: "Rußland und die Zaren"; 153 S., 144 Abb., davon 61 mehrfarbig, 5 Karten, 16,80 DM.