HANNOVER (Kunstverein):

„126. Frühjahrsausstellung“

Die Frühjahrsausstellung profitiert davon, daß der Deutsche Künstlerbund in diesem Jahr auf eine eigene Ausstellung verzichtet (warum er sich zu dieser Zwangspause verurteilt und sich seines traditionellen Forums begibt, darüber würden wir gern Authentisches vom Präsidenten Hartung oder vom Geschäftsführer Seel hören). Künstlerbündler, die im vorigen Jahr wegen anderweitiger Verpflichtungen in Hannover nicht mitmachten, haben diesmal, teils aufgefordert, teils auf gut Glück, Arbeiten eingeschickt. Von knapp 700 Einsendungen wurden 163 Arbeiten von 113 Künstlern angenommen. Das Ergebnis ist aber kein Querschnitt durch die derzeitige deutsche Produktion, vielmehr eine Miniaturdocumenta. Früher hatte man einige Ausländer nach Hannover eingeladen. Diesmal beträgt ihr Anteil schon ein Drittel, und da es sich ausschließlich um die internationale Prominenz handelt, geraten die Deutschen künstlerisch ins Hintertreffen. Nicholson, Tapies, Sam Francis, die Bildhauer Arp und Wotruba markieren die obere Grenze. Aber die Bilder der drei Maler stammen aus den Jahren 1955 und 1957, sie gehören nur bedingt auf eine Frühjahrsausstellung 1965. Interessant und gelungen ist der Versuch, die Bilder und Skulpturen nach Stiltendenzen zu gruppieren und in Sonderräumen zusammenzufassen. Vasarelys geometrische Schwarz-weiß-Tafel wird von Uhlmanns Stahl- und Hoflehners Eisenplastik flankiert. Den figurativen Stil-Raum beherrschen Bacon, Sutherland, Malta, Wilfredo Lam; der junge Horst Antes behauptet sich gut in diesem, internationalen Ensemble. Es gibt einen Raum der „Signalisten“ mit Jürgen-Fischer und Pfahler (ohne Winfried Gaul). Pop Art tritt nicht in Erscheinung, sie wurde nicht ausjuriert, sondern gar nicht erst eingeladen. Es sei denn, man rechnete Konrad Klapheck dazu, der seine Maschinenbilder mit den frivolen Titeln aus dem Familienleben schon malte, als von Pop noch keine Rede war (zur Zeit stellt er in der Pariser Pop-Galerie Ileana Sonnabend als erster deutscher Maler aus). Vielleicht hat diese Richtung, wie es im Katalog heißt, „in Deutschland unter der Künstlerschaft keinen nachhaltigen Widerhallgefunden“, aber das wird sich erst im Lauf des Jahres herausstellen. Aber die große Lethargie, die Tachismus und Informel hervorgerufen hatten, ist offenbar vorbei. Maler, die seit Jahren das gleiche Bild gemalt und nach dem gleichen Schema gearbeitet hatten, sind plötzlich, ohne auf Pop einzuschwenken, auf neuen Wegen. Die Frühjahrsausstellung wurde am vergangenen Sonntag eröffnet und dauert bis zum 25. April.

KÖLN (Overstolzenhaus):

„Chinesische Keramik“

Professor Werner Speiser vom Museum für Ostasiatische Kunst in Köln hat für Liebhaber und Sammler chinesischer Keramik im Overstolzenhaus kostbare Stücke von der frühen neolithischen Keramik bis ins 19. und 20. Jahrhundert aufgebaut. Von den bezaubernden Tonfiguren der Tang- und Ming-Zeit, diesen so ungemein lebensvollen Grabbeigaben, Motive aus der Umwelt des Verstorbenen und ihm zu dem Zweck mitgegeben, damit er sich im Jenseits wie zu Hause fühle, gibt es ein paar erlesene Proben. Ihren besonderen Akzent erhält die Ausstellung durch die Systematik, mit der die ganze Skala der Glasuren einschließlich Kupfer und Ochsenblut und den durch variable Temperatur erreichten Transmutations- und Flambéeffekfen vorgeführt werden. Ein großer und bedeutender Teil der ausgestellten Objekte, speziell die kapriziösen Porzellane des 17. und 18. Jahrhunderts, sind Leihgaben aus der berühmten Sammlung Selma Weinberg aus Zürich. g. s.