Wir sind in großer Sorge über die Flut der Kostenerhöhungen, die wir in diesem Jahr aufzufangen haben“, erklärte Vorstandsmitglied Otto-August Siering bei der Vorlage des Geschäftsberichtes der Hüttenwerke Oberhausen AG für 1963/64. Als typischer gemischter Montankonzern, der sowohl bei der Kohle als auch in der Stahlerzeugung engagiert ist, hat die Hoag in der Tat recht umfangreiche Kostensteigerungen in beiden Unternehmensbereichen zu verkraften.

Die Zechen haben im laufenden Jahr durch die Erhöhung der Bergarbeiterlöhne eine Mehrbelastung von 16 Millionen Mark, von denen nur 3 bis 4 Millionen durch die letzte Preiskorrektur für Kohle und Koks wieder hereingeholt werden können. Bei der Stahlerzeugung entstanden durch die Tariferhöhung für die Metallarbeiter und die höheren Kokspreise zusätzliche Kosten von 18 Millionen Mark. Für das gesamte Unternehmen wird also im laufenden Geschäftsjahr ein Betrag von mehr als 30 Millionen Mark in der Kasse fehlen.

Das ist wesentlich mehr, als das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr mit seiner (wieder) zehnprozentigen Dividende an seine Aktionäre ausschüttet. 26 Millionen Mark hat die Hoag im Berichtsjahr für die Dividende aufgewendet. Zwar habe das Unternehmen auch noch etwas für die Stärkung der Reserven tun können, aber das sei nicht sehr viel gewesen, sagte Siering in der Pressekonferenz. Man wird ihm also glauben müssen, daß es für die Hoag aller Anstrengungen bedarf, wenn am Ende des laufenden Geschäftsjahres wieder eine alle Teile zufriedenstellende Rechnung aufgemacht werden soll.

Das neue Geschäftsjahr, von dem die ersten fünf Monate bereits herum sind, hat sich bisher allerdings gut angelassen. Der Umsatz, der bereits im vergangenen Jahr kräftig auf 1,032 (0,947) Milliarden Mark gestiegen war, ist nochmals weiter geklettert, jedoch wird der Zuwachs jetzt einseitig von der Stahlerzeugung getragen. Die Kohle hat dagegen mit Absatzrückgängen und – trotz rückläufiger Förderung – steigenden Halden zu kämpfen. In dieses Bild will die Ankündigung nicht so recht passen, daß auch der Stahlabsatz in diesem Geschäftsjahr 1965 wohl nicht mehr die Menge des Vorjahres erreichen werde. Das wäre dann wirklich, nachdem – wie es bei der Hoag hieß – der Stahl zum erstenmal wieder im vergangenen Geschäftsjahr „von einigen wärmenden Strahlen der Konjunktursonne“ erreicht worden ist, eine kurze Freude gewesen.

Immerhin hatten sich im Berichtsjahre nicht nur die Absatzmengen, sondern auch die durchschnittlichen Walzstahlerlöse um etwa 3 Mark je Tonne verbessert. Das ist zwar nicht schlecht, ob die Ertragsbesserung aber ausreicht, alle Mehrbelastungen zu verkraften, muß abgewartet werden. Die Rationalisierung bleibt weiterhin die große Hoffnung in der Rechnung des neuen Geschäftsjahres. Im vergangenen Jahr hat die Produktivität recht eindrucksvolle Fortschritte gemacht: Die je Arbeiter erzeugte Menge Rohstahl stieg im letzten Jahr von 13,52 auf 15,78 Tonnen.

Nmn