Von E. Jäckel

Hans-Adolf Jacobsen: Zur Konzeption einer Geschichte des Zweiten Weltkrieges 1939 bis 1945. Disposition mit kritisch ausgewähltem Schrifttum (bearbeitet unter Mitwirkung von Joachim Röseler); Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen, Frankfurt am Main; 176 Seiten, 14,80 DM.

Hans-Adolf Jacobsen: Der Zweite Weltkrieg. Grundzüge der Politik und Strategie in Dokumenten; Fischer Bücherei Band 645/646, Frankfurt am Main; 499 Seiten, 4,80 DM.

Wer als zeitgeschichtlich leidlich Belesener im Lande umherfährt, bekommt immer wieder Fragen zu hören, die für die Forschung längst keine mehr sind. Ob Hitler wirklich tot sei, das zwar wird seit einigen Jahren kaum noch gefragt. Wie es sich aber mit Dünkirchen oder dem Flug von Rudolf Heß nach Schottland oder der deutschen Atombombe verhalten habe, das rechnet ein großer Teil unserer Gebildeten noch immer zu den ungeklärten Fällen. Auch herrschen vielfach recht vage Vorstellungen darüber, woher die historische Wissenschaft ihre Ergebnisse eigentlich bezieht. Dabei sind die deutschen Akten von den geheimsten Protokollen der obersten Führung bis hinunter zu den Kriegstagebüchern der Divisionen weithin erhalten geblieben; sie stehen der Forschung buchstäblich tonnenweise zur Verfügung und sind so weit ausgewertet, daß die einfache Bestandsaufnahme im Grunde für abgeschlossen gelten darf.

Die Wissenschaft ist bereits ganz anderen Fragen auf der Spur, und sie erscheinen nun zum ersten Male auch im Gewande jener allmächtigen Einrichtung unseres literarischen Lebens, im Taschenbuch. Der Herausgeber, Hans-Adolf Jacobsen, ein Angehöriger der Kriegsgeneration vom Jahrgang 1925, ist einer der rührigsten Weltkriegsspezialisten. Er hat ein Buch über den deutschen Operationsplan zum Westfeldzug 1940 geschrieben, ein anderes (zusammen mit Klaus-Jürgen Müller) über Dünkirchen, er hat die sowjetische Geschichtsschreibung bei uns bekannt gemacht und ist vor allem mit zahlreichen Dokumentarwerken, darunter einer dreibändigen Kriegsgeschichte in Bildern und Dokumenten, hervorgetreten. Diese Tätigkeit hat ihn. zwangsläufig mit einem Problem konfrontiert, dem er nun seit zwei Jahren schon in Zeitschriftenaufsätzen nachspürt, wie man nämlich die verwirrende Fülle der Kriegsgegner, Kriegsschauplätze und Kriegsereignisse übersichtlich gliedern könne.

Das wichtigste an seinen beiden neuen Büchern ist infolgedessen – und das ist ganz ernsthaft, ohne jede Ironie gemeint – das Inhaltsverzeichnis. Im übrigen handelt es sich im ersten Fall um eine Bibliographie (eine knappe Auswahl von 1110 Titeln) sowie eine Übersicht, über die Quellen- und Aktenbestände, also um ein mehr technisches Hilfsmittel, und im zweiten Fall um eine der beliebten Geschichten in Dokumenten (188 an der Zahl, davon 14 bisher unveröffentlichte) mit erläuternden Zwischentexten. Dieses Buch wird gewiß seine Leser finden, denn sie bekommen darin die Atmosphäre jener Zeit zu spüren, auch wenn Dokumente, die stets der Einordnung und Ausdeutung bedürfen, die historische Darstellung selbst nie ersetzen können.

Dafür ist es indessen nach Jacobsens begründeter Ansicht ohnehin noch zu früh. Erst muß man einmal die ganze Vielfalt des Krieges in den Griff bekommen. Man muß sie gliedern. Die bisherigen Kriegsgeschichten haben darauf erstaunlich, wenig Überlegung gewandt. Die teilten ihre Kapitel entweder einfach in Vorgeschichte und Verlauf, was sicherlich ganz unbefriedigend ist, oder in eine Phase der deutschen Erfolge und eine solche, der deutschen Niederlagen, was den Krieg in Ostasien außer acht läßt. Genau hier setzt Jacobsen ein. Wenn dieser Krieg ein Weltkrieg war, dann muß man alle seine Partner und Schauplätze berücksichtigen, also auch den bei uns so oft fast ganz übersehenen Krieg Japans im Pazifik.