Soziale Themen, Bücher gesellschaftskritischen Gehalts sind in der deutschsprachigen Jugendliteratur rar. Kästner, die Tetzner und Held, Lenzen, Plate und Noack sind mit ihren Versuchen ohne Nachfolger geblieben. Deshalb verdient ein neues Buch von

Josef Carl Grund: „Verschwörung des Schweigens – Sizilien und die Macht der Mafia“; Herold Verlag, Stuttgart; 152 S., 7,90 DM

unsere Beachtung. Sizilien begegnet dem jungen Leser ab dreizehn Jahren bar jeder touristischen Lackmalerei. Soziale Misere, Armut, Hunger, Wohnungselend, Unwissenheit und Analphabetismus bilden den Nährboden des Verbrechens und der Geheimbündelei. Übergangslos sind die Gesellschaftsunterschiede; zwischen Großgrundbesitzern und Tagelöhnern fehlen die menschlichen Kontakte. Korruption der Polizei und Geistlichkeit ermöglichten die Ausbreitung der Untergrundorganisation, von der für Erwachsene in der letzten Zeit Filme, Reportagen, Romane und eine „Spiegel“-Serie Informationen lieferten.

Grund nähert sich dem diffizilen Thema über eine literarische Dokumentation, die Montage von Zeitungsberichten und die Konzentration auf den jungen Helden Benito Battista, vierzehn Jahre alt. Hinter der abenteuerlichen Story vom Kampf der Schmuggler und Zöllner zeigt sich der Terror der Mafia, die als wenig „ehrenwerte Gesellschaft“ auch den kleinen Mann tyrannisiert, ihn auspowert, ihn durch das Schweigegebot der „Omertá“ isoliert und schließlich ins Elend oder in den Tod treibt.

Wie der Junge den Anschluß an die positiven Widerstandskräfte der Insel im Süden findet, ist ohne artistische Höhepunkte erzählt, meist von innerer Spannung erfüllt, ohne Happy-End. Selbst gelegentliche Abrutscher in die Kolportage, das Sentimentale und ins Klischee vermögen den überzeugenden Gesamteindruck nur wenig zu reduzieren. HoK