Imposant wie vordem wird sich auch der 12. Evangelische Kirchentag darstellen, der vom 28. Juli bis zum 1. August unter dem Motto „In der Freiheit bestehen“ in Köln stattfindet. Mit Sonderzügen und Chartermaschinen werden Zehntausende aus allen Teilen der Bundesrepublik, aus Berlin und von Übersee in die Rheinmetropole transportiert werden. Es soll, wie vor zwei Jahren in Dortmund, ein Fest des Glaubens und der Zuversicht werden.

Im Gegensatz zu Dortmund will sich aber die evangelische Kirche diesmal vor allem auf die eigenen Kräfte besinnen, sich selber darstellen. Diese Wandlung in den Intentionen und Planungen für den Kölner Kirchentag hat bereits die ersten Kritiker auf den Plan gerufen: von einem theologischen Kirchentag ist da die Rede, von einer christlichen Volkshochschule, ja von einem Rückzug der Kirche aus der Welt des Alltags. Manches an solcher Kritik ist übertrieben, anderes mag zutreffen.

Nach dem, freilich noch nicht vollständigen Programm sieht es in der Tat so aus, als erkalte das Theologische und Institutionelle einen Vorrang vor der Behandlung drängender Zeitfragen. Wurde vom Dortmunder Kirchentag summarisch gesagt: dort sei die Kirche auf die Straße gegangen, in Neuland vorgestoßen, so scheint es vorläufig, als solle in Köln die Kirche zwischen den eigenen Wänden bleiben. Dem Problem der Bibelexegese und der Kirchenreform wird jedenfalls ein breiter Platz eingeräumt; annähernd 15 Professoren sollen über zum Teil wissenschaftliche Themen vor einem breiten Publikum referieren.

Gewiß ist zumindest soviel: Im Vergleich zum Dortmunder Treffen geht es dem Kölner Kirchentag nicht mehr darum, vor allem als eine evangelische Volksbewegung zu erscheinen, sich der Sprache des einfachen Mannes anzupassen, auf eine zeitgemäße Weise Mission zu treiben. Selbstverständlich werden auch aktuelle Fragen in Vorträgen und Diskussionen behandelt werden, so die Außenpolitik, das Verhältnis von Juden und Christen, Protestanten, Katholiken und Atheisten, Mann und Frau, das Konzil und die industrielle Gesellschaft. Im Vordergrund jedoch werden diese Debatten nun nicht mehr stehen. D. St.