MRS. DALLY

Zwei Akte von William Hanley

Tourneetheater „Die Schaubühne“

Hildegard Knef zieht durch die Lande, mit dem Erstlingsstück eines heute vierunddreißigjährigen Amerikaners. Eigentlich sind es zwei Einakter: „Unabhängigkeitstag“ (der seine deutsche Premiere in der „Werkstatt“ des Berliner Schillertheaters hatte) und „Mrs. Daily“. Mrs. Daily heißt in ihrer Rolle die Knef in beiden Akten.

Einmal ist Günter Pfitzmann ihr Partner: ein Ehemann, der sich in der Wohnküche langweilt und von den ewig bohrenden Fragen seiner Frau nervös gemacht wird. Im nächsten Akt hat sich die unbefriedigte Mrs. Daily einen Jüngling, dessen Mutter sie sein könnte, zum Liebhaber für leere Nachmittagsstunden genommen. Volker Lechtenbrink hält der Partnerschaft Hildegard Knefs ebenso stand wie der nuancierte Pfitzmann.

Man erlebt ein Diagonalspiel ohne Aktion. Thematik und Machart sind probate, in Amerika lehr- und lernbare Konfektion. Im Deutschen (von Annie und Peter Capell übersetzt) mutet die Alltagsreportage zuweilen banal an. Wenn der zweite Akt mit einem Mollklang schließt, dürfte eigentlich erst die Theaterpause stattfinden. Doch ein dritter Akt und ein Vorschlag zur Lösung der aufgeworfenen Ehe- und Sexualprobleme fehlen.

Trotzdem ist das reisende Gastspiel sehenswert. Hildgard Knef, wie sie lacht und weint, wie sie koddert und schnoddert, mit Schnauze und Herz – eine tragende Schauspielerin, deren halbe Töne genau so präzis über die Rampe kommen wie bravourös gezielte „Nummern“: die selbstparodistische Erzählung vom Kinde, das seinem Vater Löcher in den Bauch fragt, oder eine ironisierte Night-Club-Szene mit Vibraphon. Der trockene Witz Hildegard Knefs, der Lachsalven im Publikum auslöst, klingt nach Berlin-Wedding. Ihre Stimme durchläuft eine weite Skala bis zum verschatteten Klang des Schlusses. Hier, wo der Autor abbricht, setzt die Knef zu tragischer Vereinsamung an.