„Würde“ ist die konditionale Form von dem, was einer ist. Karl Kraus

Eintopf à la Shakespeare

Shakespeare, wie er es selber gemacht hätte: so lautet die Eigeninterpretation von Orson Welles für seinen neuesten Film „Chimes at midnight“, dessen letzte Szenen gerade gedreht werden und der voraussichtlich im Mai in Cannes gezeigt werden wird. Welles hat das Skript zu diesem Film aus den Historienstücken „Heinrich IV“ Teil eins und zwei und „Heinrich V“ zusammengestellt, das Ganze dann noch mit einigen Passagen aus „Richard II“ und den „Lustigen Weibern von Windsor“ garniert. Womit auch gleich eine voluminöse Rolle für ihn selber heraussprang: der Falstaff. Die übrige Besetzung: John Gielguld als König, Keith Baxter als Prince Hal und Jeanne Moreau als Doll Tearsheet.

Preisträger „Vauo“

Victor Otto Stomps oder V. O. Stomps oder, „Vauo“, der Chef der „Eremiten-Presse“ und Verfasser von Fabeln, einem Alphabet und einer poetischen Biographie, Stomps, der wunderlichste aller Verleger, der Mann, der auch als Schriftsteller vor allem ein Original ist, hat den Fontane-Preis bekommen. Er hat ihn verdient, denn zeitlebens gab es für Stomps nur eines: die Literatur von übermorgen. „Ich bin die Spielwiese der großen Verlage“, hat er von sich gesagt, sein Programm ist das Experiment, sein Hobby seine Jünger. Winzig ist die Auflage der Bücher, die er druckt, ihre Aufmachung ist erlesen, ihr Inhalt ist gewagt. Vor dem Zweiten Weltkrieg hat er in seiner „Rabenpresse“ unter anderen Gertrud Kolmar, Oscar Loerke und Alfred Kubin gedruckt, nach dem Kriege Autoren wie Kasack, Huchel, Eich, Celan, Grass, Höllerer und Krolow, um die zu nennen, die dann bei den großen Verlagen untergekommen sind. In seinem Verlag erscheint auch die von Horst Bingel redigierte Streit-Zeit-Schrift, sind avantgardistische Lyrik-Anthologien und seltsame Kalender erschienen. Seine eigenen Bücher allerdings hat V. O. Stomps nie selber gedruckt – dieses Risiko hat er anderen überlassen.

Plakate in Polen

Im Mai 1966 wird in Warschau die erste „Internationale Plakate-Biennale“ stattfinden. Das vorbereitende Organisationskomitee hat soeben seine Arbeit aufgenommen.