Der Streit um Zypern, seit sechs Monaten fast vergessen, ist am Wochenende wieder aufgelebt: Griechen und Türken lieferten sich im Nordwesten der Insel längere Feuergefechte; die türkische Luftwaffe wurde in Alarmzustand versetzt.

Das Rumoren in diesem weltpolitischen Vulkan kommt nicht von ungefähr. Das Mandat der UN-Friedenstruppe, das nur bis zum 26. März reicht, muß in dieser Woche um abermals drei Monate verlängert werden. Gegen Ende des Monats ist die Routineablösung des türkischen Truppenkontingents auf Zypern fällig.

Beide Termine erinnern daran, daß der seit einem Jahr schwelende Konflikt um die Mittelmeerinsel nicht gelöst ist. Von den fünf beteiligten Parteien hütete sich Großbritannien, mit eigenen Vorschlägen hervorzutreten. Es wäre mit jedem Kompromiß zufrieden, der den anderen zusagt, vorausgesetzt, die britischen Stützpunkte bleiben unangetastet.

Die türkischen Zyprioten würden sich kaum einer Regelung widersetzen, die von Ankara ausgehandelt wäre, Ankara wünscht eine unabhängige Republik Zypern, die jedoch der türkischen Minderheit erlaubt, im Nordosten der Insel, auf der Halbinsel Karapps, einen autonomen Staat zu bilden. In dieser türkischen Zone würden 52 000 Türken, darunter 12 000 Flüchtlinge, wohnen, zusammen mit 60 000 Griechen, Etwa 50 000 Türken würden außerhalb dieser Zone leben. Die Städte Nikosia und Famagusta sollen geteilt bleiben. Vier Fünftel der Insel blieben unter griechisch-zypriotischer Verwaltung.

Athen wünscht die Enosis, die Vereinigung der Insel mit Griechenland.

Die griechischen Zyprioten wollen zumindest eine Verwaltungsordnung, die den Mehrheitsverhältnissen entspricht (450 000 Griechen, 104 000 Türken) und die türkischen Privilegien, wie zum Beispiel das lähmende Vetorecht des Vizepräsidenten, abschafft. Auf keinen Fall wollen sie eine Teilung der Insel oder eine Föderativverwaltung. Einige politische Gruppen, vor allem die Linke, stehen im Verdacht, daß sie auch die Enosis nicht wollen, da sie ihre Ziele in einem unabhängigen Staat besser verfolgen können. Makarios fordert Enosis und Unabhängigkeit gleichermaßen.

Da die Sowjetunion neuerdings die türkischen Pläne unterstützt und die UN-Vollversammlung überhaupt keinen Beschluß zustande brachte, ist die Position der Griechen schwächer als vor einem halben Jahr, Um so größer ist die Gefahr, daß ungeduldige Hitzköpfe um General Grivas, den alten Vorkämpfer der Enosis, oder türkische Extremisten ihr Heil in militärischen Operationen suchen.