Das Thema Deutschland soll nach dem Willen der Engländer und der Amerikaner nicht in der Versenkung verschwinden. Selbst die Erklärung des sowjetischen Außenministers Gromyko in London, daß die Teilung Deutschlands jetzt vollkommen sei, hat die alliierten Staatsmänner nicht entmutigen können.

Gromyko hatte gemeint, es sei unrealistisch, wenn die vier Großmächte über die Wiedervereinigung sprächen. Dies sei allein eine Sache der beiden deutschen Staaten. Jeder Tag, der verstreiche, vertiefe die Kluft.

Sein britischer Kollege Stewart ermunterte daraufhin US-Außenminister Rusk, „weiterhin an die Tür zu klopfen und nicht damit aufzuhören“. Die deutsche Frage müsse am Leben erhalten werden, weil sonst immer mehr Staaten das Regime in der DDR anerkennen würden. Ausdauer habe sich in der Vergangenheit, zum Beispiel beim Ringen um den österreichischen Staatsvertrag, schließlich bezahlt gemacht.

Außenminister Rusk will dem Bonner Wunsch nach einer neuen Deutschlandinitiative in Moskau jedoch erst dann nachkommen, wenn die Bundesregierung im voraus für alle Fragen, die die Sowjets vorbringen könnten, schriftliche Antworten vorbereitet. Die USA befürchten, daß Moskau einige Themen hervorholen könnte, die zur Zeit tabu sind: die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, den Rapacki-Plan für eine kernwaffenfreie Zone in Mitteleuropa und den alten Vorschlag Chruschtschows, Westberlin in eine freie, entmilitarisierte Stadt umzuwandeln.

Die Franzosen halten einen neuen Vorstoß der Westmächte in Moskau immer noch für sinnlos, weil nichts dafür spreche, daß der Kreml überhaupt eine neue Konferenz über Deutschland wünscht. Deshalb konnte auch Bundesminister Krone bei seinem Besuch in den USA zu der Meinung kommen, die Chancen für eine Deutschlandinitiative seien ungünstig.

In Bonn gab man sich optimistischer. Die Bundesregierung erwartet einen gemeinsamen Vorschlag für ein ständiges Gremium der vier Mächte. Auf dem FDP-Bundesparteitag kündigte Vizekanzler Mende an, die Westmächte würden schon Ende April/Anfang Mai den Sowjets eine Politik der mittleren Schritte zur Wiedervereinigung anbieten.

Zuvor hatte bereits der SPD-Vorsitzende Willy Brandt angeregt, die Westmächte sollten am 20. Jahrestag der deutschen Kapitulation am 8. Mai eine Deutschlanderklärung abgeben, aus der hervorgehe, wie es mit der vierten Siegermacht künftig weitergehen soll.