Von Werner Höfer

Es ist immerhin bemerkenswert, Herr Wischnewski, daß man in dieser Krisensituation nun auch einen Abgeordneten, der keiner Koalitionspartei angehört, als „troubleshooter‘ bemüht.“

„Ich reise nicht als Bundestagsabgeordneter und auch nicht als Abgesandter der Bundesregierung, sondern als Präsident der Deutsch-Algerischen Gesellschaft, aber in Übereinstimmung mit dem Auswärtigen Amt.“

„Mit dieser kunstvollen diplomatischen Formulierung soll offenbar umschrieben werden, daß Sie Versuchen sollen, von den deutsch-algerischen Beziehungen zu retten, was noch zu retten ist. Zu solch einem Rettungsversuch sind Sie in besonderem Maße prädestiniert, denn ...“

„... ich kenne Ben Bella und seine Minister sehr gut. Mit dem algerischen Gesandten in Bonn bin ich seit langem befreundet. Ich habe ihn vor Jahren hier aus dem Gefängnis geholt. Bevor er zu der Konferenz der Araber-Liga nach Kairo fuhr, habe ich ihm eine Aufstellung der 87 Staaten mitgegeben, die bereits diplomatische Beziehungen mit Jerusalem unterhalten. Ich habe nicht versäumt, darauf hinzuweisen, daß darunter alle Großmächte sind, die meisten Ostblockstaaten und vor allem jene jungen afrikanischen Staaten, mit denen sich sowohl Israel als auch die arabischen Länder besonders eng verbunden fühlen. Gewiß wäre es auch für die Bundesrepublik besser gewesen, hätte sie die diplomatischen Beziehungen zu Israel bereits vor vier Jahren aufgenommen. Ein arabischer Politiker sagte mir eben erst, damals, als die Problematik der Waffenlieferungen noch nicht evident war, hätte sich das weniger geräuschvoll machen lassen. Heute wäre dieser diplomatische Kontakt längst zur Selbstverständlichkeit geworden.“

„Sie unterhalten seit langem enge Kontakte zu Politikern der nordafrikanischen Staaten, vor allem Algeriens und Tunesiens. Was brachte Sie dazu, sich der algerischen Freiheitskämpfer gerade in jenen Jahren anzunehmen, als der ‚schmutzige Krieg‘ noch im Gange war und die Beziehungen zwischen Bonn und Paris ihre erste Blütezeit erlebten?“

Mit der Pfiffigkeit eines Biedermanns gibt „Wischnewski Africanus“ zu bedenken, daß er sich durchaus in Übereinstimmung mit der Politik des französischen Präsidenten befunden habe, denn auch Charles de Gaulle hätte die Souveränität Algeriens im Sinne gehabt. Ihn als Deutschen habe am Programm der FLN deren Kampf für die Selbstbestimmung interessiert. Freilich sei es nicht ganz leicht gewesen, in Anpassung an das komplizierte Asylrecht den Algeriern, die in der Bundesrepublik Zuflucht suchten, zu Aufenthaltsgenehmigungen zu verhelfen.