Frankreichs Zahlungsbilanz von 1964 hat einige Überraschungen gebracht. Der Außenhandel, der im Vorjahr noch 874 Millionen Francs Überschuß brachte, endete 1964 mit einem Defizit von fast 500 Millionen Franc. Dennoch war die Zahlungsbilanz mit 3,9 Millionen Franc aktiv, da der langfristige Kapitalverkehr, also vornehmlich die ausländischen Investitionen in Frankreich, einen soliden Überschuß abwarfen.

Die französischen Währungsreserven stiegen damit auf 25,2 Milliarden Franc. Das reicht aus, um die Einfuhren von fast 8 Monaten zu finanzieren. Damit sind die französischen Reserven prozentual noch ein wenig größer als die der Bundesrepublik. Sie bilden zugleich ein festes Fundament für die Angriffe de Gaulles auf den Dollar. Denn selbst wenn die USA ihre Investitionen in Frankreich gänzlich einstellen und beginnen würden, die Erträge ihrer bisherigen Anlagen in Frankreich nach den USA zu transferieren, wären die Währungsreserven de Gaulles auf lange Zeit nicht zu erschüttern.

de Gaulle sollte sich jedoch darüber klar sein, daß die Stärke der Währungsreserven allein nicht ausreicht, um den Franc zu einer Leitwährung der westlichen Welt zu machen. Paris ist jedoch stark genug, im Verein mit anderen europäischen Währungen mit Nachdruck eine Korrektur des westlichen Währungssystems zu fordern.

Als Bundesgenosse in diesem Streben bietet sich das Land an, das neben Frankreich die größten Währungsreserven hat, die Bundesrepublik. Daß ein solches Vorgehen durchaus nicht auf Ablehnung stoßen würde, zeigt eine Rede von Bundesbankpräsident Blessing, der vor der deutschschweizerischen Handelskammer in Zürich feststellte, Frankreich und die Bundesrepublik hätten die gleichen Ziele; lediglich die Methode, diese Ziele zu erreichen, seien verschieden. mh.