Neues aus dem alten Bayernland

Von Erich Helmensdorfer

München

Das bayerische Herz schlägt am heftigsten gegenüber der Münchner National-Oper. Im Haus Residenzstraße 13, einem alten gotischen Bürgerhaus mit denkmalgeschütztem Innenhof, findet sich im zweiten Stock ein kleiner Blechbriefkasten. „Das Bayerische Vaterland“, sagt der schreibmaschinengetippte Zettel.

Einmal, in der alten Zeit, die auch immer gut gewesen sein soll, war „Das Bayerische Vaterland“ des weit über die weiß-blauen Grenzpfähle hinaus bekannten Dr. Johann Baptist Sigl die streitbare Zeitschrift der bayerischen Patrioten gewesen. Das Blatt ritt die forschesten Attacken gegen den Reichsgründer, Otto von Bismarck. Es war auch sonst kein „schlechter Schnaps“, wie der Jargon zu sagen pflegt, was im „Vaterland“ zu lesen war. Das brachte dem Dr. Sigl einmal drei Jahre Gefängnis ein, wegen Verleumdung des bayerischen Kriegsministers von Asch. Damals schon war, wie man sieht, Bayerns Justitia auf Staatserhaltung aus. Die Zeitschrift, 1867 gegründet, fiel den Nazis 1934 zum Opfer.

„Das war ja typisch für die Nazis, daß sie alles Bayerische mit tödlichem Reichshaß verfolgten“, sagt dazu der Rechtsanwalt Dr. Erich R. Bohrer, der „Das Bayerische Vaterland“ 1961 neu gründete und seither herausgibt. Er möchte die Eigenstaatlichkeit Bayerns mit aktiver Außenpolitik wiederhergestellt sehen und setzt, statt des ihm verhaßten deutschen Nationalstaates, auf ein Europa, das die deutsche Frage im Sinne de Gaulles regelt.

Schleife im Knopfloch