Thomas Mann und Hofmannsthal waren Freunde des Kinos; während sich der eine, mit problematischem Sukzeß, an einem Drehbuch versuchte, nahm der andere die Verfilmungen eigener Stoffe mit freundlichem Wohlwollen auf: „Den Filmleuten fällt immer etwas ein“, ließ man in Kilchberg verlauten, und das hieß so viel wie „recht hübsch, recht brav, meine Kinder, macht nur so weiter und seid meines Zuspruchs gewiß“.

Man machte weiter. Die „Buddenbrooks“, vor Jahren gedreht und jetzt im Fernsehen noch einmal gezeigt, sind quälend genug. Beraten von einem Experten-Triumvirat (Erika Mann möge den maskulinen Kollektivbegriff freundlich verzeihen), hatte Regisseur Weidenmann sich in der Tragödie erstem Teil auf eine Illustration der Grünlich-Affäre beschränkt: Von Robert Graf nasal und exaltiert angelegt, erschien Bendix, der Schwindler, mit den Favoris nach englischer Mode, doch ohne die auffällige Warze. (Neben dem einen Nasenflügel: uns Buddenbrooks-Gourmets macht man nichts vor.) Dafür sagte er, statt sich stumm und korrekt zu verbeugen, nach jeder Vorstellung eines Familienmitglieds „entzückt“ ... und das verriet so wenig Geschmack wie das abrupte Aufstehen bei Tisch, wobei der Unglückliche, der nach hanseatischem Roman-Reglement nur ein wenig auf (!) seinem Sitze emporschnellen durfte, entgegen allen Usancen der Konsulin auch noch seinen Popo präsentierte. Das Gesäß, man stelle sich vor, in Höhe der Kaffeetassen gezeigt... kein Zweifel, dieser Mann wäre nach lübischem Patrizierempfinden erledigt gewesen.

Ein Film ist kein Roman, und Änderungen müssen sein: Mag Vater Arnoldsen, um optischer Kontraste willen, ruhig Cello und nicht Violine spielen, mag, wenn Johann denn zeitig von der Bühne muß, der Konsul meinethalben getrost den Part des à la mode-Kavaliers Lebrecht Kröger mitübernehmen und statt im Lehnstuhl in der Droschke zu seinen Vätern gelangen, das alles ist rechtens und schön. Bedenklich aber wird es, wenn Bruder Thomas – und nicht der für die Hochzeit verantwortliche Vater Johann – Grünlichs Bankrottzeuge wird und wenn der Regisseur ausgerechnet die schönsten Pointen verdirbt: „Liebscht den Herrn?“ fragt im Roman Pastor Mathias aus Kannstatt, und Trine antwortet: „Wekken meenen’s denn, den ollen oder den jungen?“ Bei Weidenmann hingegen heißt die Replik: „Den Herrn Christian oder den Herrn Thomas“, womit die witzig-dreiste Vaterund-Sohn-Allusion hinfällig wird. Und dann die berühmte Grobleben-Rede über Grab, Moder und Gruft, von Thomas Mann, um des Kontrasts willen, bei Gelegenheit einer Taufe gesprochen, vom Regisseur dagegen, mit bewegendem Unverstand, an eine Hochzeit angehängt: Thomas freit Gerda, die Konsulin und Vater Arnoldsen parlieren im Illustriertenjargon; der Hochzeiter fragt seine Braut, ob sie sehr müde sei...

In der Tat, das war denn doch des Guten zuviel; recht betrachtet, erinnerte – mit Ausnahme einiger Requisiten, der Ostseesteine, auf denen Morten und Tony philosophieren, des Blumenladens und der Favoris – recht wenig an das berühmte Buch und seinen toten Verfasser. Die Schauspieler agierten nach Hör-zu-Roman-Art; Knuths Plattdeutsch war beklagenswert; Lüders, Smolt und Grobleben in einer Person, schien von einer Krach-um-Jolanthe-Probe gekommen zu sein. Nur Hanns Lothars Christian nahm man den verkrachten Schüler des Katharineums ab; doch das reichte leider nicht aus. Momos