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DEUTSCHLANDFUNK

Mit peinlicher Sorgfalt ist der Deutschlandfunk darauf bedacht, seine Hörer in diversen Sendereihen mit dem Leben und mit sämtlichen Familienereignissen des Schriftstellers Rolf Schroers vertraut zu machen. Nachdem Schroers kürzlich von dem anscheinend nicht ganz geglückten Kauf eines Reitpferdes berichten konnte, beschäftigte er sich dieses Mal mit einer Vereinigung, die ihm ebenfalls wenig Glück brachte: der Gruppe 47. Was ihm an dieser Gruppe mißfällt, formuliert er mit gewohnter Klarheit: „Dieses tatsächlich etwas Obergefreitenhafte nach Entfernung der Vorgesetzten, das sich gut im Haß auf Ernst Jünger erkannte, das manchen fernhielt, von dem mancher sich zurückzog, das er auch natürlich anzog, in dem bittere Kränkungen möglich waren und Jahre nachwirkten.“ Zu deutsch: Die Gruppe 47 besteht aus disziplinlosen Obergefreiten, die Ernst Jünger nicht mögen. Dem kann ich, Rolf Schroers, als deutscher Dichter nicht beistimmen, und deshalb habe ich mich bekanntlich von ihr zurückgezogen. Doch die 47er-Obergefreiten haben mich deshalb verfolgt und sich noch Jahre später gerächt.

Ansonsten mißfällt Schroers an der Gruppe 47 genau das, was Hans Magnus Enzensberger (in seiner Eloge „Die Clique“) an ihr gefiel: daß es sie juristisch nicht gibt, daß sie kein Verein ist, daß sie keine Satzungen, keinen jährlich neuzuwählenden Vorsitzenden und Kassenwart besitzt. Und daß sie kein „literarisches Profil“ hat. Mit Unbehagen diagnostiziert Schroers, die Gruppe 47 sei „antifaschistisch, philosemitisch, humanitär“ und sie subsumiere „kurzweg“ jede „rechtsstehende Weltanschauung“ dem Nazismus. Daß sie anläßlich der „Spiegel“-Affäre „zum Landesverrat“ aufforderte, weiß Schroers ganz genau.

Zugleich mißbilligt er ihre „allgemeinplätzlich konformistischen Arrangements“ und tadelt: „Es gehört zur einschlägigen Diktion, wenn Marcel Reich-Ranicki in der ZEIT die deutschen Autoren auffordert, den Auschwitz-Prozeß als Lektion zu absolvieren, und es stimmt zur Sache, daß solche Appelle zur politischen Moralität übereingehen mit dem literarischen Abbau aller überlieferten, zumal sexuellen Tabus der privaten Moralität.“ Meint Schroers wirklich, man solle mit den KZ-Prozessen Schluß machen und statt dessen die Richter mit den „unzüchtigen“ Werken des Günter Grass beschäftigen? Rufus