Ceylon war seit 1960 das einzige Land der Welt, das von einer Ministerpräsidentin regiert wurde. Seit der Wahl am Montag, die keiner der großen Parteien eine eindeutige Mehrheit brachte, ist es ungewiß, ob Sirimavo Bandaranaike das Staatsruder in der Hand behalten kann. An die Macht gekommen war sie zehn Monate nach der Ermordung ihres Gatten, des Premierministers Solomon West Ridgeway Dias Bandaranaike, des Führers der Freiheitspartei, der vor allem mit Hilfe buddhistischer Stimmen an die Macht gekommen war. Da seine Frau jedoch einen radikalen Kurs einschlug und sich den Kommunisten zuwandte, verscherzte sie sich die Sympathien vieler Buddhisten.

Zuletzt wurde Ceylon von einer Koalition der Freiheitspartei und von nicht weniger als drei kommunistischen Parteien regiert: die eine ist nach Moskau, die andere nach Peking orientiert, die dritte schließlich trotzkistisch gesinnt. Als Frau Bandaranaike im Dezember neue Gesetze vorlegte, die unter anderem eine Verstaatlichung der Presse vorsahen, brachte ein rebellierender Minister ihrer Partei die Regierung zu Fall. Neuwahlen waren fällig.

Neun Parteien machten der couragierten Politikerin die Macht streitig, aber nur zwei zählten als ernsthafte Rivalen. Die Buddhisten und die pro-westlichen Landesbürger sympathisierten mit der Vereinigten Nationalpartei des früheren Premierministers Dudley Senanayake, der einen gemäßigten Sozialismus und engere Bindungen an den Westen propagiert. Auf großen Zulauf hoffte auch die linksgerichtete Volkseinheitspartei des Nationalkommunisten Philip Gunawardene.

Peking unterstützte auffällig das Regime Bandaranaike. Die chinesische Botschaft hatte große Mengen Briefmarken aufgekauft, um Propagandamaterial der Freiheitspartei zu frankieren. Sechs neue kommunistische Blätter erschienen auf dem Markt, nachdem die Regierung unbegrenzt Schiffsladungen von Druckpapier aus China ins Land ließ. Für den Entwurf und Bau einer Kongreßhalle, die an den ermordeten Gatten der Premierministerin erinnern soll, stifteten die Chinesen siebzehn Millionen Rupien.

Wer immer aus dem nun einsetzenden Feilschen der Parteien als Sieger hervorgeht, ist noch nicht abzusehen. Die Nationalpartei eroberte zwar 66 von 151 Sitzen, blieb aber unter der absoluten Mehrheit, die Freiheitspartei hat nur noch 41 Sitze. Das Zünglein an der Waage ist die Tamilsprechende Minderheit. 1960 wählte sie Frau Bandaranaike.