Die fünf Weisen, die jährlich die Wirtschaftliche Situation begutachten, sind mit der Bundesregierung keineswegs so einig, wie es vor einigen Wochen nach ihrer Aussprache mit Bundeswirtschaftsminister Schmücker einem amtlichen Kommunique entnommen werden konnte. Das ist der bedauerliche Eindruck einer Aussprache der fünf Weisen mit Vertretern des Wirtschaftsministeriums, der Wirtschaft und den Gewerkschaften, den die Deutsche Volkswirtschaftliche Gesellschaft in Köln veranstaltete.

Wie tief das Mißtrauen sitzt, geht aus dem Vorwurf eines Sach verständigen hervor, das Wirtschaftsministerium habe in dem erwähnten Kommunique einen wichtigen Nebensatz unterschlagen. Es klingt auch in der Bemerkung an, das Leben im Elfenbeinturm – das man den Gutachtern vorgeworfen hat – habe immerhin den Vorteil, daß man darin dem Umgang mit der Wahrheit frönen könne.

Solche Empfindungen sind keine gute Grundlage für eine fruchtbare Arbeit. Daß Mißstimmungen noch existieren, beweist, wie tief die Regierung die Sachverständigen verprellt haben muß, als sie ihr erstes Gutachten durch eine eigene Stellungnahme politisch zurechtbog. Vermutlich kann erst die Behandlung des zweiten Gutachtens diesen Fehler wieder ausgleichen. Mehr als ein Formfehler bleibt indessen das auffallende Desinteresse der Bundestagsabgeordneten für das gewiß nicht nur hinsichtlich der Wechselkurse lesenswerte Gutachten (siehe auch Seite 41). ks