J. William Fulbright: Gleichgewicht zwischen Ost und West; Christian Wegner Verlag, Hamburg; 152 Seiten, kartoniert 8,80 DM.

Der deutsche Staatsbürger hat die Möglichkeit, die Meinungen einer der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der amerikanischen Politik in einem handlichen Bändchen zu studieren. Fulbrights Ansichten sind eigenwillig und finden deshalb in seinem Lande manche Gegnerschaft; aber gerade die Selbständigkeit seiner Überlegungen bedeutet einen Gewinn für den Leser. Sie gewinnt ihren eigentlichen Reiz dadurch, daß sie sich mit einem ebenso scharfsinnigen wie sorgfältig-methodischen Geist und jahrzehntelanger praktischer Erfahrung verbindet.

Anregend für den deutschen Leser ist es zu sehen, wie seine Gedankengänge sich mit den Thesen des deutschen Professors Walther Meder – der sie leider immer noch nicht in Buchform niedergelegt hat – und des ungarisch-amerikanischen Professors John Lukacs berühren. Alle drei sind unabhängig voneinander zu der Einsicht gekommen, daß der russische Nationalismus mächtiger ist als die kommunistische Glaubenslehre. Auch nach Fulbright sind in Rußland große Umwandlungen im Gange. Und auch nach Fulbright ist die sowjetische Politik gegenüber Deutschland nicht ausschließlich vom Streben nach Ausdehnung beherrscht, sondern von der Furcht. Das sind Gedanken, die manchem als selbstverständlich erscheinen mögen, über die aber einflußreiche Politiker in Deutschland noch nachdenken könnten.

Joachim Schwelien hat dem kleinen Buch ein klares und einleuchtendes Nachwort geschrieben, das nicht nur die Persönlichkeit Fulbrights zeichnet, sondern auch die Grundzüge des Streits um die amerikanische Außenpolitik instruktiv darstellt. A. E.