Die Bundesregierung will sich mit den diplomatischen Beziehungen zu Israel noch etwas Zeit lassen. Erst soll die Aufregung der Araber etwas abklingen, ehe der erste deutsche Botschafter nach Jerusalem oder Tel Aviv entsandt wird.

Bundestagsabgeordneter Birrenbach hat Anfang dieser Woche mit der israelischen Regierung abermals über die Bedingungen des Botschafteraustausches verhandelt. Wie es heißt, wünscht Israel für die nächsten fünf Jahre eine deutsche Wirtschafts- und Finanzhilfe von einer Milliarde Mark. (Das Wiedergutmachungsabkommen läuft im nächsten Frühjahr ab.)

In Ägypten und in Algerien hat das Auswärtige Amt unterdessen ebenfalls Bundestagsabgeordnete „an die Front geworfen“. CDU-Abgeordneter Werner, Spezialist für Entwicklungshilfe, verhandelte insgeheim mit der ägyptischen Regierung. SPD-Abgeordneter Wischnewski, der aus der Zeit des algerischen Krieges mit den FLN-Führern befreundet ist, versucht derweil in Algier, Ben Bella von radikalen Schritten abzuhalten. Bonn ist daran gelegen, daß die arabischen Staaten, auch wenn sie ihre Beziehungen zu Bonn abbrechen, nicht die DDR anerkennen. Die Uneinigkeit der arabischen Staaten und ihr dauerndes Bedürfnis nach Kredit- und Wirtschaftshilfe läßt der Bonner Diplomatie noch einigen Spielraum.

Zum Ärger Nassers haben Tunesien, Marokko und der Libanon bereits erkennen lassen, daß sie nicht endgültig mit Bonn brechen wollen. Für den tunesischen Staatspräsidenten Burgiba bedeutete dies freilich eine neue Krise in seinen Beziehungen mit Kairo, wo er soeben erst mit seinem Besuch altes Mißtrauen beseitigt hatte.

Eindeutig hinter Nasser stellten sich bisher nur der Irak, der konstitutionell mit Ägypten verbunden ist, und der von Nasser abhängige Jemen, außerdem die Regierung des Erdölstaates Kuwait, das seine Erdölexporte in die Bundesrepublik stoppen und den deutschen Automarkt boykottieren will.

Die Nahost-Krise bescherte der Bundesregierung jedoch auch einen neuen Bittsteller: Die Kurden, die seit einiger Zeit wieder mit der irakischen Zentralregierung Krieg führen, ersuchten Bundeskanzler Erhard um finanzielle Hilfe.